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Der Kindergipfel 2002: Der Kinderrat


Ein Interview mit den Kinderratsmitgliedern

Die Fragen für das Interview hat Babette Braun von Kidstation.de aufgeschrieben. Auf der Website von Kidstation.de werden die Kinderratsmitglieder in der Woche vom 26. Mai 2002 mit dem Interview als "Stars der Woche" vorgestellt.

Auf dem lokalen Kindergipfel in Waltershausen bei Gotha haben sich einige Vertreter des Kinderrates zu einem Treffen der Mediengruppe für den großen Kindergipfel versammelt. Dort haben sie folgende Fragen von Kidstation.de beantwortet:

Die Kinder tragen Ihre Forderungen an die Politiker
auf dem lokalen Kindergipfel in Waltershausen vor!
Die vier Mitglieder des Kinderrates


Hier klicken, um direkt zu den Antworten springen, die Fragen stehen nochmal dabei!

1) Das Motto des Kindergipfel 2002 heißt "Gemeinsam für eine friedliche Welt". Ihr helft bei der Vorbereitung. Macht ihr also "Friedensarbeit"? Was ist für euch Friedensarbeit?

2) Was dürft ihr als Kinderrat bei der Vorbereitung des Gipfels denn alles mitbestimmen?

3) Ihr setzt euch auch sonst in eurer Freizeit für den Frieden, Kinderrechte, die Umwelt oder den Schutz des Waldes ein. Was macht ihr denn da? Wie sieht euer Einsatz aus?

4) Wie war das eigentlich bei euch im Einzelnen: Gab es bei euch ein Erlebnis, nach dem ihr jeweils gesagt habt: "Da muss ich etwas tun, jetzt werde ich aktiv!" Oder weshalb habt ihr mit eurem Einsatz für Kinder, Frieden, Umwelt und so weiter angefangen?

5) Woher erfahrt ihr eigentlich von unfairen Dingen, gegen die ihr etwas machen wollt?

6) Und wie können Kinder rausfinden, wo sie Unterstützung finden, wenn sie für oder gegen eine Sache aktiv werden wollen?

7) Auf den Kindergipfeln gibt es immer Workshops. Wozu sind die denn gut? Lernt man da, wie man sich für eine Sache einsetzen kann?

8) Es kommen auch immer einige Politiker zu den Kindergipfeln. Die Kinder dort können ihnen dann ihre Meinung sagen. Was nützt das denn, wenn man Politikern seine Meinung sagt?

9) Auf dem letzten Kindergipfel ist ein Zukunftsvertrag erarbeitet worden. Da steht drin, welche Forderungen Kinder an die Politiker haben, damit es der Natur, den Kindern und auch den Erwachsenen besser geht. Da steht aber auch drin, dass die Kinder sich auch selbst verpflichten, zum Beispiel Energie zu sparen oder sich gegenseitig zu helfen. Haltet ihr euch selbst daran?

10) Geht das manchmal anderen Kids auf die Nerven, wenn ihr euch zum Beispiel umweltbewusst verhaltet und lieber mit dem Fahrrad fahrt, als euch mit dem Auto kutschieren zu lassen?

11) Was ist für euch jeweils das ganz persönliche Ziel, das ihr mit dem Kindergipfel 2002 erreichen wollt?




Volle Konzentration bei der Beantwortung der Fragen!

1) Das Motto des Kindergipfel 2002 heißt "Gemeinsam für eine friedliche Welt". Ihr helft bei der Vorbereitung. Macht ihr also "Friedensarbeit"? Was ist für euch Friedensarbeit?

Nina: Friedensarbeit ist für mich, mit anderen über Krieg und Frieden zu reden. Dabei kann man sie oft überzeugen, dass Krieg unnötig und falsch ist. Bei Friedensarbeit können aber auch Aktionen durchgeführt werden, die z.B. zum Nachdenken über dieses Thema führen sollen.

Hannes: Es ist Friedensarbeit. Jedenfalls teilweise, denn wir versuchen, anderen Kindern und Jugendlichen zu erklären, wie man Frieden erreichen kann und was man dafür tun sollte.

2) Was dürft ihr als Kinderrat bei der Vorbereitung des Gipfels denn alles mitbestimmen?

Nina: Wir dürfen ziemlich viel mitbestimmen, z.B. haben wir entscheiden, welche Workshops (Arbeitsgruppen) auf dem Kindergipfel angeboten werden. Auch bei dem Ablauf wurden wir gefragt. Es gibt noch viele weitere Sachen, bei denen wir vorher gefragt worden sind.

Christoph: Wir haben den Ablauf des Kindergipfels festgelegt und den Politikern bzw. Ministerien Fragen geschrieben, die sie dann beantworten sollten und die auch mit in die Workshops "fließen" sollen.

Hannes: Wir werten die Antworten aus den Ministerien aus, stellen den Tagesablauf zusammen und legen die Themen für die Workshops fest. Und wenn man will, kann man natürlich noch viel mehr machen.

Pascal: Wir überlegen uns, welche Workshops, Themen etc. es auf dem Kindergipfel gibt. Wenn wir eine Arbeit haben, die wir nicht erledigen wollen, überlassen wir es dem Naturfreunde-jugend-Büro in Remagen. Aber die meisten organisatorischen Dinge, die wir wichtig finden, dürfen wir übernehmen.

3) Ihr setzt euch auch sonst in eurer Freizeit für den Frieden, Kinderrechte, die Umwelt oder den Schutz des Waldes ein. Was macht ihr denn da? Wie sieht euer Einsatz aus?

Nina: In Erkrath bin ich Sprecherin der lokalen Agenda-Gruppe. Dort helfe ich z.B. bei der Planung unserer Umwelttage. Außerdem haben wir in unserer Schule einen Artenschutzraum, wo Freunde und ich Führungen machen. Zum Thema Frieden besuche ich z.B. Workshops und werde bald bei amnesty mitarbeiten, wo wir z.B. Aktionen zum Thema Folter machen.

Christoph: Am 04.03.02 habe ich zusammen mit meinen Klassenkameraden einen Umwelttag gestartet/gemacht, bei dem Müll wie Autoreifen, Autobatterien, Fenster, Türen, Bauschutt und Damen und Herren-Wäsche gefunden wurden. Mehr dazu gibt es auch im Internet unter: www.naturfreundejugend-gotha.de/usn/

Hannes: Ich habe vor kurzem einen lokalen Kindergipfel in Walthershausen mitorganisiert und bin bei den "Umweltspürnasen" tätig. Natürlich bin ich auch noch bei der Naturfreundejugend tätig und bin im Vorstand der Ortsgruppe Gotha.

Pascal: In Schramberg, die nächste größere Stadt in meiner Nähe, haben wir ein JUK, das alle drei Jahre einen lokalen Kindergipfel veranstaltet, bei dem ich mitmache. Ich interessiere mich für Natur und versuche sie zu schützen, soweit es geht.

4) Wie war das eigentlich bei euch im Einzelnen: Gab es bei euch ein Erlebnis, nach dem ihr jeweils gesagt habt: "Da muss ich etwas tun, jetzt werde ich aktiv!" Oder weshalb habt ihr mit eurem Einsatz für Kinder, Frieden, Umwelt und so weiter angefangen?

Nina: Ein bestimmtes Erlebnis gab es bei mir nicht. Meine Eltern waren aktiv in solchen Themen und haben mich von Anfang an an Politik herangeführt.

Christoph: Ich bin durch die Naturfreundejugend Gotha dazu gekommen, aktiv zu werden. Außerdem interessiere ich mich für Politik.

Pascal: Ich habe mich schon immer für Umweltschutz und Kinderrechte interessiert und habe dann beim lokalen Kindergipfel mitgemacht, und durch diesen bin ich zum großen Kindergipfel und in den Kinderrat gekommen.

5) Woher erfahrt ihr eigentlich von unfairen Dingen, gegen die ihr etwas machen wollt?

Christoph: Durch das Fernsehen und evtl. durch Freunde. Beim Kindergipfel kann man ja das dann auch aussprechen.

Nina: Die Nachrichten und die Zeitung ist für mich die wichtigste Nachrichtenquelle. Aber natürlich erfahre ich auch viel über meine Familie.

Hannes: Durch Freunde, Zeitschriften, TV oder ich bemerke/sehe selbst etwas.

Pascal: Aus der Presse vor allem und bei lokalen Dingen durch andere Jugendliche und zum Teil auch durch Erwachsene.

6) Und wie können Kinder rausfinden, wo sie Unterstützung finden, wenn sie für oder gegen eine Sache aktiv werden wollen?

Christoph: Die Kinder können sich beispielsweise bei lokalen Agenden oder lokalen Kindergifeln informieren. Es gibt verschiedene Leitfäden zu lokalen Agenden oder lokalen Kindergipfeln. Außerdem kann man sich im Internet informieren. (www.kindergipfel.de)

Nina: Bei Fragen können sie sich an die Naturfreundejugend Deutschlands und andere Organisationen wenden. Diese helfen meistens gerne weiter. Sie können sich aber auch an das lokale Jugendamt oder ein Jugendparlament wenden.

Hannes: Man kann sich natürlich an die Naturfreundejugend wenden.

Pascal: Um besser informiert zu werden, haben wir jetzt in Schramberg viermal im Monat in der Lokalzeitung eine Kinderseite, auf der wir Themen, die anderen Jugendlichen nicht gefallen, aufgreifen und kritische Berichte darüber schreiben. Dadurch werden hoffentlich auch andere auf die Dinge wie Kinderrechte etc. aufmerksam.

7) Auf den Kindergipfeln gibt es immer Workshops. Wozu sind die denn gut? Lernt man da, wie man sich für eine Sache einsetzen kann?

Christoph: In den Workshops kann man mit anderen Kindern/Jugendlichen über das Workshop-Thema diskutieren. Jeder erzählt dann evtl. etwas aus seiner Gegend und somit erfahren auch die anderen, was dort so ab geht.

Nina: Nein, eigentlich nicht. In meinem Workshop überlegt man sich Wünsche und Forderungen an Politiker, was sie zu einem Thema machen sollen. Es werden aber auch Selbstver-pflichtungen aufgestellt. Natürlich lernt man dabei auch was, aber dies ist nicht das Hauptziel eines Workshops.

Hannes: Dort werden uns erst einmal die Probleme erklärt, die in diesen Themenbereich fallen. Man diskutiert darüber und sucht nach Möglichkeiten, wie man diese Probleme beseitigen kann.

Pascal: Nein, dort diskutiert man über verschiedene Themen wie Wald, Kinderrechte etc. und stellt drei Forderungen an die Politiker und drei Selbstverpflichtungen für sich auf. Diese werden dann in einem Zukunftsvertrag geschrieben, der den Politikern übergeben wird und in zwei Jahren überprüft wird.

8) Es kommen auch immer einige Politiker zu den Kindergipfeln. Die Kinder dort können ihnen dann ihre Meinung sagen. Was nützt das denn, wenn man Politikern seine Meinung sagt?

Christoph: Es gibt Politiker, denen ist es egal, was dort jemand sagt, die anderen Politiker hören zu. Trotzdem würde ich nie aufhören, den Politikern meine Meinung zu sagen.

Nina: Wenn man Politiker seine Meinung gesagt hat, können sie nicht mehr sagen, sie haben von nichts gewusst. Viele setzen sich danach dafür ein, dass die Wünsche von Kindern verwirklicht werden. Natürlich gibt es aber auch viele, die nicht auf Kinder hören. Im Ganzen lohnt es sich aber. 9) Ich versuche mich daran zu halten. Es klappt aber nicht immer.

Hannes: Leider öfter nichts. Doch man sollte nie aufhören, denn irgendwann setzt sich dann doch einmal ein Politiker dafür ein

Pascal: Das ist sehr unterschiedlich. Es gibt Politiker, denen sind Kinder egal, andere aber setzen sich stark zur Umsetzung ein. Man muss bei Politikern aber immer wieder anklopfen, dass sie sich endlich für unsere Forderungen einsetzen. Die Chance ist bei manchen zwar gering, aber es könnte ja irgendwann einmal klappen...

9) Auf dem letzten Kindergipfel ist ein Zukunftsvertrag erarbeitet worden. Da steht drin, welche Forderungen Kinder an die Politiker haben, damit es der Natur, den Kindern und auch den Erwachsenen besser geht. Da steht aber auch drin, dass die Kinder sich auch selbst verpflichten, zum Beispiel Energie zu sparen oder sich gegenseitig zu helfen. Haltet ihr euch selbst daran?

Christoph: Ja, ich versuche mich daran zu halten. Es ist aber auch ziemlich schwer, sich daran zu halten.

Pascal: Natürlich, aber das habe ich auch schon getan, als es den Zukunftsvertrag noch nicht gab. So trinke ich z.B. nicht aus Dosen und versuche immer, soviel wie möglich Energie zu sparen etc.

10) Geht das manchmal anderen Kids auf die Nerven, wenn ihr euch zum Beispiel umweltbewusst verhaltet und lieber mit dem Fahrrad fahrt, als euch mit dem Auto kutschieren zu lassen?

Christoph: Ja, alle meine Klassenkameradinnen und Klassenkameraden wollen nichts damit zu tun haben. Aber ich lasse mich dadurch nicht "klein" kriegen, ich halte zu dem.

Nina: Ja, schon. Aber mir ist es so ziemlich egal, was die denken.

Hannes: Natürlich. Allerdings eher bei anderen suchen, wie z.B. Müllentsorgung.

Pascal: Ja, natürlich. Aber mir ist das egal. Wenn ich z.B. als einzigster nicht aus Dosen trinke, kommt man sich schon blöd vor, aber ich vertrete meine Meinung und vor allem will ich noch auf der Erde leben und nicht im Müll versinken!

11) Was ist für euch jeweils das ganz persönliche Ziel, das ihr mit dem Kindergipfel 2002 erreichen wollt?

Christoph: Wenn ich zu einem Kindergipfel gehe, dann vertrete ich auch gleichzeitig meine Schule. Ich möchte der "Welt" sagen, was bei uns abgeht.

Nina: Da gibt es mehrere Ziele. Erstens möchte ich, dass möglichst viele Erwachsene mitkriegen, dass Kinder mitbestimmen können. Außerdem wünsche ich mir, dass der Kindergipfel zeigt, dass die Kinder in Deutschland gegen Krieg sind.

Hannes: Der Zukunftsvertrag ist mir sehr wichtig, aber das Wichtigste ist für mich, dass die Politiker auf uns Kinder und Jugendliche endlich hören. Schließlich sind wir die Erdbewohner von morgen !

Pascal: Spaß haben, etwas zu tun, wo alle etwas von haben und unsere Welt lebenswerter machen.

Der Kinderrat bedankt sich bei Babette Braun von Kidstation.de

 Der Kindergipfel ist ein Projekt der Naturfreundejugend Deutschlands

Letzte Änderung am 15.04.2002 durch Nina Wettern