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Der Klimakindergipfel 2001

Diskussion mit Bundestagsabgeordneten im Rahmen des Klima-Kindergipfels der Naturfreundejugend Deutschlands am 18. Juli 2001 in Bonn

Erster Teil: Thema Klima

Der Klimaappell

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Anja Zachow, Bundesleiterin der Naturfreundejugend Deutschlands:
Die Naturfreundejugend Deutschlands hat anlässlich der hier in Bonn stattfindenden Weltklimakonferenz Kinder aus ganz Deutschland eingeladen, die gestern Nachmittag und Abend einen Klima-Appell der Kinder erarbeitet haben und den wollen sie jetzt hier mit den Abgeordneten und Politikern diskutieren und ihn natürlich auch überreichen. Gleichzeitig ist unsere Aktion "Die Klimapiraten entern das sinkende Schiff" auch der Startschuss für eine bundesweite Kampagne der Naturfreunde zum Klimaschutz. Gut, jetzt würde ich hier nicht lange 'rumreden, ich übergebe die Moderation an Jan Karim und Pascal. Und die beiden werden unterstützt von der Claudia Bepler-Knake vom Westdeutschen Rundfunk.

Claudia Bepler-Knake, Moderatorin:
Ja, noch mal herzlich willkommen hier an Bord des Schiffes bei strahlendem Sonnenschein. Um es gleich vorweg zu nehmen, die Kinder haben ein Gesetz auf ihren Kindergipfel, das heißt "Kinder reden, Erwachsene hören zu". Und daran halten sich natürlich auch erwachsene Moderatoren, völlig klar. Darüber brauchen wir jetzt gar nicht lange 'rumreden. Die Kinder haben mich aber gebeten, ganz kurz zwei Sätze zu den Politikern hier zu sagen. Und das will ich jetzt mal machen.
Ganz rechts außen ist der Michael Müller. Er ist umweltpolitischer Sprecher der SPD und auch gleichzeitig Bundesvorsitzender der Naturfreunde, ist Mitglied in verschiedenen Naturschutzverbänden, u.a. im Allergieverein Europa, in der Arbeitsgemeinschaft Allergiekranker Kinder und im Allgemeinen Deutschen Fahrradclub. Also, er kennt sich auch aus auf den Fahrradwegen, hoffe ich. Da solltet ihr mal nachfragen.
Dann ein Stuhl weiter sitzt Dr. Reinhard Loske, das ist der umweltpolitische Sprecher der Grünen. Er ist Dipl. Volkswirt und seit 1998 im Bundestag, außerdem Projektleiter am Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt und Energie - also auch ein richtiger Experte an Bord heute.
Zu meiner Linken sitzt Eva Bulling-Schröter. Sie ist umweltpolitische Sprecherin der PDS und sitzt im Ausschuss für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft. Also noch ein weiteres Thema, wo ihr 'mal ein bisschen nachfragen, bisschen stochern könnt.
Dann haben an Bord die Rita Tondorf. Die ist stellvertretend gekommen für die Oberbürgermeisterin von Bonn und ist hier in Bonn in der Stadt zuständig für Umwelt und Gesundheit, d.h., das ist eine Frau, die sich natürlich in ihrer Stadt sehr gut auskennt und die vielleicht euch ein paar Anregungen geben kann, wie es in euren Städten laufen kann oder die ihr danach fragen könnt, wie läuft es denn hier bei euch in Bonn.
Die beiden Moderatoren Kinder sind schon kurz angesprochen worden.
Das ist der Jan Karim Bohnacker zu meiner rechten. Er ist 12 Jahre alt und es ist schon sein zweiter Kindergipfel. Also der ist schon ganz erfahren.
Und zu meiner linken sitzt der Pascal Kleiner. Er ist 11 Jahre alt und auch es ist auch schon sein zweiter Kindergipfel. D.h. auch der ist schon ganz erfahren. Und die werden jetzt diese Runde hier leiten. Und ich werde dann nur mal eingreifen oder mal helfen, wenn es nicht weiter geht. Aber die beiden sind - glaube ich - schon ganz gute Profis.
Pascal, dann kannst du die erste Gruppe jetzt schon mal vorstellen.

Pascal Kleiner, Kindermoderator:
Ja also, wir wollen jetzt anfangen und zwar mit der Gruppe Klima. Ich bitte die mal vor. Und das ist Anja und die Katharina. Also ihr habt euch mit dem Thema Klima beschäftigt. Und da habt ihr sicher Fragen an die Politiker. Gut, dann könnt ihr die ja mal an die Politiker stellen.

Teilnehmerin:
Also wir hatten das Thema Klima. Und weil es ein bisschen arg übergreifend ist, haben wir versucht, nur die wichtigsten Forderungen auszuwählen. Also. Unsere erste Forderung lautet: Wir fordern Aufklärung zum Thema Klimaschutz an Schulen und Projekte dazu als Pflicht. Weil wir selber in unseren Schulen relativ wenig erfahren haben über so Sachen, würde uns das sehr am Herzen liegen, dass andere Leute vielleicht mehr darüber erfahren, wenn sie in die Schule gehen.

Moderatorin:
Wer soll denn die Frage beantworten?

Teilnehmerin:
Sie!

Moderatorin:
Frau Bulling-Schröter soll die beantworten.

Eva Bulling-Schröter:
Ja, ich meine, es müsste in der Schule ein Fach eingeführt werden, Umweltschutz an sich. Was heißt Wasser sparen. Wie kann ich ökologisch leben? Welche Möglichkeiten gibt´s. Und dazu würde ich für mich auch Klimaschutz gehören. Also ich finde, das ist eine sinnvolle Forderung. Und ich meine, dass aber auch zuerst mal die Lehrer dafür ausgebildet werden müssen. Ich habe erfahren an Schulen, dass es sehr wenige Lehrer gibt, die dazu ausgebildet sind und ich weiß, dass das Interesse dazu zum Teil nicht so groß ist. Also müsste es verpflichtend ein Fach Umwelt geben.

Jan Karim:
Hat noch jemand anders Fragen zu dem Thema. Der kann jetzt vortreten und seine Frage stellen. - Niemand? Ja, o.k., ich gebe ab an Michael Müller.

Michael Müller:
Ich wollte nur sagen, es liegt auch an den Schulen. Wir haben nämlich einen Studiengang Klimaschutz erarbeitet, der für die Schulen zur Verfügung steht, und zwar das der Deutsche Bundestag zusammen mit dem Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Es gibt ein Curricula für Sekundarstufe I und Sekundarstufe II zum Klimaschutz. Man muss das nur in den Schulen machen.

Reinhard Loske:
Ja, vielleicht ganz kurz noch dazu. Die Bildung ist ja in Deutschland Ländersache, d.h. die Bundesländer sind dafür verantwortlich. Der Bund selber hat sehr wenig Gestaltungsmöglichkeiten. Aber was wir machen können, bestimmte Bereiche zu unterstützen. Es gibt z.B. ein Programm, das heißt "Bildung für nachhaltige Entwicklung", wo man an den Schulen versucht, bestimmte Projekte zu unterstützen. Zum Beispiel im Bereich globale Umweltveränderungen wie Klimawandel oder auch z.B. Zukunft der eigenen Stadt. Dass es nicht so abstrakt ist, sondern es ist immer die Frage, wie man die eigene Stadt, die eigene Umgebung so entwickeln kann, dass sie eben lebenswert ist, aber auch umweltverträglich. Da können wir schon einiges machen. Aber man kann definitiv sagen, es hängt immer sehr viel an den Lehrerinnen und Lehrern, ob die engagiert sind und ob die das können. Und deswegen muss sich auch in der Lehrerausbildung etwas ändern. Nicht nur bei der Ausbildung der Schülerinnen und Schüler.

Pascal:
Ich glaube, da wird Frau Tondorf noch etwas zu sagen. Ich denke mal, die kennt sich da aus.

Rita Tondorf:
Ja, ich gebe euch noch einen konkreten Tipp. Wenn ich mal von der Stadt Bonn ausgehe. Wir haben beim Umweltamt ganz konkrete Unterlagen, Filme, Materialien für die Schule. Und es ist ja gerade gesagt worden, es hängt auch manchmal von den Lehrern ab. Aber ihr könnt ja auch einen Anstoß geben. Wenn ich z.B. in euren Städten, bei euren Stadtverwaltungen mal fragt, ob es da auch so etwas gibt, das könnt ihr euch meist kostenlos ausleihen. Und dann guckt ihr mal, ob ihr nicht eine Lehrerin oder einen Lehrer habt, der da auch ein bisschen engagiert ist und sagt, hier ist Material, da könnten wir uns Filme zu angucken. Da könnten wir in entsprechenden Bücher gucken, wo es Diskussionsmaterialien gibt. Und dann könntet ihr es vielleicht auch in andere Unterrichtsfächer - da kann man sich ja alles Mögliche ausdenken - wo man das mit einbauen kann. Und dass ihr vielleicht auch die Lehrerinnen und Lehrer ein bisschen dazu zwingt, dass sich damit auch an der Schule beschäftigt wird.

Jan-Karim:
Habt ihr sonst noch Fragen? Anja und Katharina?

Katharina:
Ich wollte nur was sagen. Also wir haben im Matheunterricht auch schon mal unseren Lehrer darauf angesprochen und wir reden jetzt auch über das Thema Energie, das gibt´s ja hier auch und es ist ziemlich interessant.

Moderatorin:
Aber ihr habt hier drei Tage dran gearbeitet, d.h. das ist ja noch nicht alles zum Thema Klima. Ihr dürft die richtig löchern. Was liegt, was brennt euch auf der Seele, was habt ihr euch noch notiert.

Teilnehmerin:
Ja wir fordern mehr Unterstützung vom Staat für Wärmedämmung. Also wir haben uns angeschaut, wie viel von dem an was Schuld ist, von dem CO2. Und da ist eben auch ein ganz wichtiger Teil davon, dass die Häuser nicht richtig isoliert sind. Und deswegen, wenn man heizt, dass ganz viel von dem einfach nicht ins Haus reingeheizt wird, sondern raus, in die Atmosphäre rausgeheizt wird. Deswegen fordern wir, dass es mehr Unterstützung gibt, wenn jemand sein Haus richtig dämmt, dass es richtig im Haus bleibt, die Wärme, und nicht einfach abhanden geht.

Pascal:
Ja, aber das ist ja besonders schlimm in Amerika, oder?

Reinhard Loske:
Ja wir können da auch noch besser werden in Deutschland. Das ist richtig. Ich meine, man muss sich vorstellen, dass die privaten Haushalte für Heizung, Warmwasser usw. ungefähr 1/3 der gesamten Energie verbrauchen oder fast 40%. Das wissen die meisten gar nicht. D.h., da liegt auch der Löwenanteil der Möglichkeiten für den Klimaschutz. Und die Bundesregierung hat jetzt angefangen, da was zu tun. Wir haben ein Programm aufgelegt bei einer großen Bank - Kreditanstalt für Wiederaufbau - da können solche Altbausanierungsmaßnahmen, oder Wärmedämmungsmaßnahmen, da kann man zinsgünstige Kredite bekommen. Das sind insgesamt in den nächsten Jahren 2 Milliarden DM. Das ist ein Anfang. Aber das reicht natürlich noch nicht aus. Das ist vollkommen klar.

Michael Müller:
Aber da will ich noch einen Tipp zurückgeben. Das ist nämlich noch viel wichtiger. Es steht im Augenblick im Bundesrat, also in der Länderkammer ein Gesetzesentwurf an, den die Bundesregierung und die Bundestagsfraktion gemacht haben zum Thema Energiesparen, Energiesparverordnung. Da soll das geregelt werden. Wie üblich gibt es jetzt sehr starke wirtschaftliche Lobbygruppen. Die versuchen, diese Energiesparverordnung zu verhindern. Und einer, der da allzu anfällig ist, dies zu verhindern, ist auch der Ministerpräsident dieses Bundeslandes. Also schreibt Wolfgang Clement und sagt, er soll keine Dummheiten machen und dem Entwurf zustimmen.

Pascal:
Hat sonst noch jemand aus dem Publikum Fragen dazu oder will einer von unseren Gästen dazu antworten?

Moderatorin:
Ich glaube, es sind eine ganze Menge Bonner Kinder an Bord. Also, ihr müsst euch nicht verstecken, ihr dürft euch ruhig melden. Wenn euch etwas auf der Seele brennt, einfach nach vorne ans Mikro gehen und dann mal eine Frage stellen.

Teilnehmerin:
Wir haben auch noch eine Selbstverpflichtung und zwar wollen wir mehr darauf achten. dass wir, wenn wir heizen, nur die Wohnung heizen und nicht für draußen. Also keine Fenster, Türen usw. offen lassen.

Jan Karim:
Danke, also, wenn hier Fragen im Publikum habt, stellt sie einfach. Wir haben hier genug Experten.

Michael Müller:
Ich wollte nur sagen, man kann durch persönliches Verhalten den Energieverbrauch um 5 bis 8% verringern, das ist eine Menge. Also auch manchmal einen Pullover anziehen, das ist möglich. 5 bis 8 %. Besonders wichtig ist es, dass man auch immer den Fernseher ausschaltet.

Reinhard Loske:
Und zwar ganz.

Pascal:
Und nicht nur bloß auf stand-by.

Moderatorin:
Aber Hand aufs Herz, wer von dem Damen und Herren hier macht es denn wirklich?

Reinhard Loske:
Wir sind alle keine Waisenknaben, es ist alles nicht perfekt, das ist völlig richtig. Aber man kann schon eine ganze Menge machen im privaten Bereich. Und dazu gehört z.B., dass man nur die Räume heizt, in denen man sich auch tatsächlich bewegt oder dass man versucht, daneben entsprechend richtig zu lüften. Also einmal richtig eine Stoßlüftung, statt das Fenster den ganzen Tag auf Kippe zu machen. Oder die kurzen Wege mit dem Radel zurücklegen, statt mit dem Auto. Also ich denke schon, viele Sachen sind eben nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch gut für den Geldbeutel oder auch für die Gesundheit, wenn man z.B. mit dem Fahrrad fährt.

Jan Karim:
Also, dann gibt es keine Fragen mehr? Dann beginnen wir jetzt mit dem nächsten Thema. Ja, o.k. Da habe ich auch zwei Kinder.

Pascal:
Jan-Karim, sie will noch was sagen dazu.

Eva Bulling-Schröter: Also zur Frage stand-by. Es gab ja in der letzten Legislaturperiode einen Antrag, dass diese stand-by-Schaltungen eben eingebaut werden, dass sich das Gerät sofort nach Gebrauch abschaltet. Leider wurde er von der Regierungskoalition Schwarz/Gelb nicht angenommen. Es gab jetzt wieder einen Antrag, der ist jetzt angenommen worden. Aber leider fordert der, dass es gleichzeitig in ganz Europa eingeführt wird. Natürlich ist es sinnvoll, aber ich finde schon, man könnte jetzt damit anfangen. Denn wenn wir uns angucken, wenn diese Schaltungen eingebaut werden, wäre das das Stromvolumen von zwei AKWs und die AKWs könnten dann natürlich auch dementsprechend schneller abgeschaltet werden. Also ich denke, es wäre auch noch mal sinnvoll, hier die Forderung zu stellen, dass das in neue elektrische Geräte - auch die, die importiert werden - möglichst schnell eingebaut wird. Das hat wirklich einen großen Sinn.

Moderatorin:
Bevor wir diese Gruppe jetzt abschließen, Thema Klima. Gibt es noch irgendwo Fragen, ist irgendwas unklar geblieben. Da vorne sitzen Kinder, ihr dürft das ruhig hochhalten, wenn was nicht klar ist. Da gibt´s ein Fragezeichen, was dann ganz hochgehalten wird. Oder wenn jemand zu lange redet, dann gibt´s eine blaue Karte - glaube ich - die wird nach oben gehalten. Also, ihr müsst euch nicht scheuen, wenn etwas unklar ist, dürft ihr dazwischen. Da haben die Damen und Herren sicherlich nichts dagegen. Die sind ja hier, um euch umfassend zu informieren. Gibt es jetzt noch Fragen zu diesem Thema Klima? Dann würden wir jetzt weitermachen.

Fortsetzung der Diskussion zum Thema Verkehr




Der Kindergipfel ist ein Projekt der Naturfreundejugend Deutschlands

und der Zeitschrift

mit Unterstützung durch

der Akademie Remscheid für musische Bildung und Medienerziehung
Letzte Änderung am 14.11.2001 durch Günter Klarner