HomeKindergipfel 1999Kindergipfel 2000Neuigkeitenlokale GipfelKontaktChat
ForumSo gehtsDie IdeeVisionenThemenFachleutePartnerSponsorenSuchen
AktionenWichtige AdressenPressemeldungenDer KinderratProminente UnterstützerGaesteTermineLinks



Der Kindergipfel 2000:
Die Diskussion mit dem Kanzler

Dies ist die Dokumentation der Diskussion mit dem Bundeskanzler Gerhard Schröder während des Kindergipfels 2000 am 2.Oktober 2000 in Hannover. Reinhören könnt ihr auf der Seite der Kinderversammlungen des Saarländischen Rundfunks. Und ihr könnt den Text als Word Datei (Word 2.0, 51 KB) oder Rich Text (54 KB) laden.



(Applaus)
Begrüßung durch den Bundesleiter der Naturfreundejugend Deutschlands Markus Zähringer:
"Sehr geehrter Herr Bundeskanzler (Applaus), ich darf Sie im Namen der Naturfreundejugend ganz herzlich zum Kindergipfel 2000 begrüßen. Wie wichtig das Thema Kinderrechte ist, zeigt auch die Anwesenheit der Vorsitzenden des deutschen Bundesjugendringes Gaby Hagmans. Wie wichtig das Anliegen der Kinderrechte für die Kinder ist, hat auch gezeigt, wie die Kinder die letzten drei Tage wirklich hart gearbeitet haben, um mit Ihnen jetzt nachher in die Diskussion zu gehen.
(Applaus)
Es ist wichtig, dass die Anliegen der Kinder auch wirklich Gehör bekommen, denn sie formulieren die Anforderungen an die Zukunft. Ich möchte jetzt auch gar nimmer weiter reden. Wenn Sie sich auf den Vertrag einlassen, bedeutet das auch, dass Sie ein Stück mehr Demokratie wagen und das Zitat Willy Brandts eine ganz andere Dimension bekommt. Danke!"
(Applaus)

Bundeskanzler Gerhard Schröder:
"Am besten, wir fangen gleich an. Ich hab' eine Bedingung, ich muss nicht singen,
(Gelächter, bedauerndes Zurufen: Oooah)
- sonst streik' ich wirklich. O.k.?"
(Applaus)

Barbara Renno (Saarländischer Rundfunk; Moderation):
"Wir sind nämlich hier zusammengekommen, um miteinander zu reden und SR- Kinderversammlungen; Kinderversammlungen des saarländischen Rundfunks, das sind Versammlungen, die immer dort stattfinden, wo Kinder Hausrecht haben und ich finde, so ein Zelt auf der Expo 2000, was gibt's im Moment schöneres in Deutschland, als Hausrecht für Kinder auf der Expo 2000 in einem Big Tipi und ich denke die Anwesenheit der Pressevertreter zeigt, wie wichtig das genommen wird. Ich glaube noch wichtiger ist aber, dass hier hundert Kinder ungefähr zusammen gekommen sind, die beim Natur- Kindergipfel 2000 mitgemacht haben. Wir haben unsere Veranstaltung -genannt "Das ist der Gipfel 2000 auf der Expo" - ob's dann wirklich `n Gipfel wird, werden wir sehen. Herr Bundeskanzler, wir freuen uns sehr, dass Sie den Kindern Rede und Antwort stehen. Wir haben kräftig gearbeitet in den letzten anderthalb Tagen und ich würde sagen, die Redezeit für Kinder ist eröffnet und dieses Mikrophon beginnt hier."

TeilnehmerInnen (TN):
"Ich bin die Nina aus Erkrath."
"Und ich bin die Maike aus Bad Lippspringe."
"Wir haben an dem Energie - Workshop teilgenommen. Und wir sind hier aus ganz Deutschland zusammengekommen und uns allen ist eines aufgefallen. Nicht nur eines, ganz viele Sachen! In den Schulen, in den Pausen ist das Licht an. Die Jalousien sind runter und das Licht ist trotzdem an. Überall wird kein Strom gespart. Und wir haben gesagt, das muss man ändern und wir fänden es schön, wenn man z.B. für diejenigen, die wirklich wollen, die Energie zu sparen eine Belohnung aussetzt. Für diejenigen, die es aber nicht machen, die es nicht einsehen, die es nicht sinnvoll finden, dass sie zahlen müssen. Hohe Strafen - Strafen sozusagen."

Bundeskanzler:
"Soll ich direkt antworten?"

TN:
"Das wäre nett."

Bundeskanzler:
"Das gibt es schon, was ihr Euch vorstellt. Es gibt nämlich von vielen Stadtwerken, die den Strom liefern, auch von großen Stromkonzernen, die den Strom liefern, Belohnung von Sparern sowohl beim Preis für den Strom, als auch bei Investitionen in Lampen z.B., die wenig Strom verbrauchen und derjenige, der nicht sparen will, der merkt das in seiner Rechnung am Monatsende - der Stromrechnung - ist ja klar, die ist um so höher, je mehr man mit Strom verschwenderisch umgeht, und um so geringer, je mehr man damit sparsam umgeht. Also es gibt die entsprechenden Tarife, die das Belohnen wie auch das "Bestrafen" enthalten. Das kann man besser machen, aber das kann nicht die Bundesregierung anordnen, sondern da kommt es darauf an, dass Kinder, aber auch andere, die sich für Umweltschutz interessieren, sich am Ort stark machen. In diesem Ort hier - ich weiß das, weil ich hier wohne - gibt es Stadtwerke, die sich das zum Programm gemacht haben, die werben auch für das Sparen und da soll man weiter machen - da habt ihr völlig recht - und wenn das in den Schulen nicht klappt, dann kann der Bundeskanzler wenig ausrichten, aber der Hausmeister könnte schon. Und da kann man dann mit ihm freundlich reden, das solltet ihr auch tun, als Leute, die besonders engagiert sind. Also der Weg zu sparsamer Verwendung von Energie ist eingeschlagen, aber vieles kann man besser machen, vor allem, in dem man darauf hinweist oder wie das so heißt, ‚Druck ausübt.'"

Barbara Renno:
"Herr Bundeskanzler, ich glaube, die Kinder brauchen Verbündete bei diesen ganzen Verhandlungen, um z.B. auch nur mit einem Hausmeister zu reden. Kinder haben ja wenig Lobby in unserem Land und ich glaube, dass ist das, was Kinder hier auch gerne einfordern. Sie kommen aus Erlangen, sie kommen aus Karlsruhe, sie kommen aus verschiedenen kleinen Orten in Sachsen - Anhalt. Also aus der ganzen Bundesrepublik und es waren alle sehr erstaunt, dass die Probleme überall doch sehr gleich oder sehr ähnlich sind. Auch diese Schüler und Schülerinnen wissen, dass es Schulen gibt, die mit ihren Stadtwerken Verträge abgeschlossen haben und das Geld, das eingespart wird, kriegt die Schule am Ende des Jahres sogar zurück und kann dafür sinnvolle Anschaffungen machen. Ich glaube, es ist die Frage der Verbündeten, wie kann denn die Politik Verbündete der Kinder sein?!"

Bundeskanzler:
"Ich finde, die Politik kann und wird das dann machen, wenn ihr, wenn eure Eltern deutlich sagen, dass sie das wollen. Politik wird im Alltag gemacht und entweder wir schaffen es, einen Kurs der sparsamen Energieverwendung im Alltag durchzusetzen oder Veranstaltungen wie diese sind schön, haben aber nicht die nachhaltige Wirkung. Deswegen käme es darauf an, dass man sich die Verbündeten in der Politik - und da gibt's immer welche die bereit sind - dort sucht, wo Alltag stattfindet. Am eigenen Ort. Wir können von Berlin aus nicht in Sachsen - Anhalt oder in Erlangen sagen, in der Schule x oder y funktioniert das nicht. Das ist ja einsichtig. Was wir machen können ist, einen Rahmen zu setzen. Wir tun das z.B., indem wir gerade mit sehr, sehr viel Schwierigkeiten dabei sind, zu sagen, wir wollen den Energieverbrauch belasten, damit wir die Arbeit entlasten können. Das ist der Inhalt des Konzepts, das da Ökosteuer genannt wird. Arbeit, die man haben will, soll billiger werden, Stromverbrauch, den man nicht haben will, soll entsprechend belastet werden. Es ist schwer durchzuhalten und ich hoffe, ihr helft mir ein bisschen dabei, das durch zu halten, ich will es nämlich durchhalten." (Applaus)

Barbara Renno:
"Ich glaube, ihr habt noch eine Anmerkung dazu zu machen?!"

TN:
"Ja das wäre jetzt die Ökosteuer, das finden wir eigentlich total genial, aber wir wollen, dass das auch für uns genutzt wird. Das Geld, was da hereinkommt und zwar, d.h. in öffentlichen Verkehrsmittel, die wir brauchen, in Schulen für neue Solaranlagen, etc. halt eben."

Bundeskanzler:
"Wir haben ein Programm zur Nutzung der Solarenergie aufgelegt, das kostet etwa dreihundert Millionen DM im Jahr - ist eine Menge - und damit fördern wir Energiesparen besser, die Umrüstung der Energieversorgung in den Privathäusern. Man kann vielleicht nicht die Heizung mit Solarstrom - oder noch nichtausreichend - im Winter jedenfalls - betreiben, aber man kann das produzieren, was man Brauchwasser nennt; also was man zum Baden, zum Händewaschen usw. braucht. Und da haben wir ein sehr wirksames Programm aufgelegt, das sowohl den Handwerksmeistern, die das tun sollen, neue Möglichkeiten verschafft, als auch zu dieser Form der Energieführung, des Energiesparens führt. Das zweite: Wir wollen Heizkosten runterbringen, indem wir dafür sorgen, auch mit Hilfen, dass Wärmedämmung in den Häusern besser wird, d.h. je besser die Wärmedämmung in einem Haus ist, desto weniger Heizung braucht sie ja. Da werden wir jetzt ein Programm machen aus den Zinslasten, die wir gespart haben, weil wir bestimmte Lizenzen verkauft haben, und das Geld nehmen wir zur Schuldentilgung dann muss man weniger Zinsen bezahlen, und das, was wir da sparen tun wir zu einem Teil in diese Wärmedämmungskonzepte, damit man weniger Heizenergie verbraucht. Und ein anderer Teil wird z.B. - ein erheblicher Teil - in die Verbesserung des Schienennetzes der Deutschen Bahn AG gehen und, im Übrigen sind wir sehr dafür - ich hab` das vorgeschlagen, da müssen wir noch mit den kommunalen Leuten reden -, dass man auch Anreize schafft in den Kommunen mehr auf den Bus umzusteigen. Z.B. Pendlern, die von zu Hause zur Arbeit, meinetwegen 30 km fahren müssen, den geben wir vom Staat Geld, damit sie sich - ich fasse mich gleich kurz- damit sie sich das leisten können. Aber das geben wir nicht nur denen, die Auto fahren, sondern auch denen, die Bus fahren. Damit es ihnen leichter wird zu sagen, o.k., ich benutze den Bus. Solche Maßnahmen machen wir, dass ist im Einklang mit Euern Forderungen."

TN:
"Das Schulticket ist teilweise sehr teuer, oder auch wenn wir einfach nur von unserem Dorf, wenn wir auf einem Dorf wohnen, einfach nur in die Stadt wollen. Für hin und zurück müssen wir manchmal zehn Mark bezahlen und ich denke mal, dass nicht alle das bezahlen können - einfach, es ist vielleicht das Taschengeld im Monat. Deswegen ist es manchmal gar nicht möglich. Und wie kommt es, dass viele, das mit der Dämmung für Häuser und so noch nicht wissen, die neue Häuser bauen?! Wie kommt das?"

Bundeskanzler:
"Ich glaub' wissen tun sie's schon. Bis lang ist's halt so gewesen, dass das Wärmedämmen auch teuer gewesen ist für den, der von knappen Geld, weil er auch nicht so viel verdient, ein Haus baut. Und unser Ziel ist es jetzt, ihm das ein bisschen leichter zu machen. Also auch der, der nicht soviel Geld verdient - und bei euern Eltern und wenn sie dann ein Haus bauen wollen, würden sagen: "OK der Staat will, dass ich wärmegedämpfter baue und dann gibt er mir auch en bisschen was dazu." Die, die es bezahlen könne, müssen es dann auch alleine bezahlen. Im übrigen, man kann nicht jede Leistung, die im Staat angeboten wird, umsonst geben. Das kann nicht funktionieren, das würde uns auch überfordern, das würde auch Politik überfordern. So `en bisschen was Eigenes muss auch jeder, wird auch in Zukunft jeder von Euch hinzutun müssen."

TN:
"Zurück zum Verkehr, einerseits ist die Ökosteuer da, die wir ja auch befürworten, andererseits ist es aber so, dass die BVG Tickets - also jetzt z.B. in Berlin - auch überhaupt die Tickets für die öffentlichen Verkehrmittel immer teurer werden. Außerdem fahren wir auch nicht mit der Deutschen Bahn zur Schule. Können sie das erklären, vielleicht?"

Bundeskanzler:
"Dass Du mit der Deutschen Bahn nicht zur Schule fährst, das kann ich erklären. Wahrscheinlich, weil es in der Mitte in Berlin zu wenig Schienen gibt, würd' ich sagen. Aber warum das nicht mit dem Bus geht, das kann ich nicht erklären. Eigentlich müsste es gehen. Es gibt ja für Schülerinnen und Schüler preiswertere Möglichkeiten zu fahren, als für Erwachsene und das ist auch in Ordnung so. Subventionieren nennt man das. Das geschieht auch. Ich glaube, dass das, was wir jetzt als Bund gemacht haben, nämlich, dass wir auch den Leuten die Bus fahren, helfen, zur Arbeit oder zur Schule zu kommen, indem wir da Geld reintun, ist eine vernünftige Lösung, die dazu führen wird, dass man manchmal das Auto stehen lässt und Bus und Bahn benutzt. Das geht alles nur schrittweise, das ist mir klar. Früher ging mir das auch nicht schnell genug. Heute übrigens auch immer noch nicht."

TN:
"Aber man kann ja auch ein bisschen dran rumknobeln, oder so."

Bundeskanzler:
"Natürlich. Ich knobel den ganzen Tag an irgendwas rum."

TN:
"Geht nicht gibt's nicht!"

Bundeskanzler:
"Ja das stimmt, das sollte es nicht geben, aber...
(Jubeln, langer, tobender Applaus)
... ich bin auch eurer Meinung, nur: Etwas gehen zu machen braucht manchmal etwas mehr Zeit als man sich so selber vorstellt. Das ist mein Problem, wirklich. Die Probleme werden immer größer, sollen immer schneller gelöst werden, möglichst mit einem Federstrich. Aber auch die Widerstände, sie sind sehr groß. Guck, ich will Dir mal ein Beispiel sagen: Die gleichen, die zu mir sagen, jetzt nicht ihr, aber vielleicht fragt ihr mal zu Hause, die gleichen, die zu mir sagen, ja wir wollen natürlich ökologischer uns verhalten beim Verkehr, die sagen: ‚Kanzler pass mal auf, sorg mal dafür, dass die Spritpreise wieder sinken', als wenn ich das könnte. Verstehste, es gibt widersprüchliches Verhalten, auch bei den Menschen, die von mir was erwarten. Ich geb' zu, nicht widersprüchlich aber manchmal zu langsam auch bei der Politik. So ist das nun mal. Wir brauchen große Geduld, aber die Ziele, was für die Umwelt zu tun, die werden wir nicht aufgeben."

TN:
"Versteh ich das richtig, dass Schüler manchmal 160,-- DM bezahlen müssen, nur um zu Schule zu gehen?"

Bundeskanzler:
"Ich weiß nicht, wie das in den einzelnen Städten ist. Es wird immer ´ne Reihe von Menschen geben, die sich das nicht leisten können, und denen man dann auch vom Staat her, von den Kommunen her helfen muss. Ich bin dafür, dass das so preiswert angeboten wird, wie es irgendwie geht. Auf der andern Seite, können die Leistungen nicht verschenkt werden. Man muss eine Mitte finden zwischen dem, was man an Geld nimmt, um die Leistung auch bezahlt zu bekommen und Hilfe für Menschen, die es aus sozialen Gründen sich nicht leisten können, diesen Preis für Schülerfahrkarten zu bezahlen. Es gibt welche, die das können, und zwar ´ne ganze Menge. Bei denen, die das nicht können muss man gezielt helfen. Das ist glaub ich der Weg, wie man da aus dieser Klemme kommt."

TN:
"Dann tun sie es aber auch, bitte."

Bundeskanzler:
"Ja...
(Applaus)
... ich meine wir haben ne ganze Menge in diese Richtung getan und wir haben jetzt etwas zu tun mit den Widerständen. Wenn eure Forderungen morgen die Forderungen aller wären und alle sagten, o.k., Bundesregierung, wir sehen das ein, dass Energie etwas kosten muss, weil wir Energie sparsam verwenden wollen, dann hätte ich es etwas leichter, grade in der jetzigen Zeit, aber ich sag´ euch, das was wir angefangen haben, dafür zu sorgen, dass Energie nicht so sehr verbraucht wird, weil wir die Umwelt schonen wollen, das werden wir beibehalten, diesen Kurs. Er wird euch nicht schnell genug gehen, uns fliegt manchmal was um die Ohren deswegen, so haben wir beide unsere Probleme."

Babara Renno:
"Ich glaube sie sind ja ganz gute Verbündete. Diese Sprecher haben sich nämlich nicht nur Gedanken darüber gemacht, dass Sie was tun müssen, sondern sie haben sich auch Gedanken darüber gemacht, was sie selbst tun können und sind ja auf diese Selbstverpflichtung in dem Zukunftsvertrag eingegangen. Also ich denke, das ist ne Generation auf die die Politik sehr wohl setzen kann und ..."

Bundeskanzler:
"Wenn sie se einhalten. Die Selbstverpflichtung. Jeden Tag."

Barbara Renno:
"Gehen wir jetzt einfach mal davon aus, so wie wir davon ausgeh'n, dass Sie Ihre Verpflichtungen auch einhalten."

Bundeskanzler:
"Ja bei mir ist das genau zu kontrollieren, weil man es jeden Tag kontrollieren kann, aber ob diejenigen, die Forderungen stellen, hinter sich das Licht ausmachen, im Zimmer nicht drei Energiequellen, im Kinderzimmer benutzen und im Übrigen nix auf die Strassen fallen lassen, damit wir nicht Leute beschäftigen müssen, die das aufsammeln. Ich glaube, das ihr das macht. Ihr alle, die hier sind, aber vielleicht findet ihr noch ein paar in der Klasse, die das auch machen."

Barbara Renno:
"Ich glaub' solche Dinge, die sprechen sich schon rum. Da bau' ich jetzt einfach mal auf euch und das werden wir ja auch vielleicht bald wieder überprüfen, vielleicht noch en Hinweis an das jugendliche Publikum: Hier stehen zwei Saalmikrophone. In den Arbeitsgruppen haben ja viel mehr Kinder diskutiert als jetzt, als Sprecher auf der Bühne steh'n. Und bitte mischt euch ein, wenn wir hier oben was vergessen, wenn wir Forderungen, Anregungen, Wünsche nicht beachtet haben. Hier vorne sind die beiden Saalmikrophone zu eurer Verfügung. Und wenn ich jetzt richtig sehe, dann ist jetzt die Energiegruppe fertig und wir kommen zur Verkehrsgruppe. Das Thema ist ja schon angeschnitten worden, aber ich glaube, ihr habt's noch durch einige Perspektiven zu ergänzen."

TN:
"Ich bin der Pascal, komme aus Schramberg..."
"Und ich bin der Daniel und komme aus Frankfurt. Wir beide waren in dem Workshop Verkehr. Da haben wir uns Gedanken drüber g'macht und haben da rausgekriegt, dass bei uns in Deutschland eigentlich viel zu viel Autos fahren, und es zu wenig autofreie Sonntage gibt."

Barbara Renno:
"Möchtest Du ´ne Antwort darauf haben?"

TN:
"Ja natürlich"
(Applaus)

Bundeskanzler:
"Ich bin in 'ner sehr schwierigen Situation. Ich glaub' bei uns fahren nicht zu viele Autos, sondern zu viele Autos fahren falsch. Was wir machen müssen, ist, eine Technik im Verkehr zu entwickeln, die es erlaubt, - und so etwas gibt es bereits -, das vorhandene Straßennetz - übrigens nicht nur das Straßennetz, sondern andere Verkehrsträger auch - besser auszunutzen. Also dass man flotter vorankommt, das kann man mit Hilfe von Elektronik schaffen. Zweitens: Was wir tun müssen, ist, darauf zu drängen, da können wir aber alle was tun, auch als Verbraucher, dass die Automobilindustrie verbrauchsarme Autos anbietet. Also die berühmten Drei-Liter-Autos und drunter. Und drittens: Was wir uns jetzt unbedingt - das zeigen die Erfahrungen mit der Ölkrise - auf die Hörner nehmen müssen, ist, etwas zu tun, damit wir wegkommen vom Ölverbrauch. Anders - wir brauchen andere Antriebe, die das Auto vorwärts bewegen. Das kann man heute mit anderen Mittel als mit Benzin machen und wir sind optimistisch, dass wir in zehn Jahren etwa, solche Antriebe soweit entwickelt haben, durch die deutsche Industrie, mit Hilfe auch der Politik, dass wir nicht mehr alleine auf Öl bzw. auf Benzin oder Diesel angewiesen sind und diese Antriebe verursachen keine oder kaum Umweltschäden und um die denk' ich, geht es in den nächsten zehn Jahren. Das erfordert viel Forschungsaufwand, aber da müssen wir ran. Anders kriegen wir das Problem nicht gelöst."

Barbara Renno:
"Das ist sicher die ganz praktische und ganz wichtige Seite. Ich glaube aber, was sich in den Arbeitsgruppen rauskristallisiert hat ist, dass Straße für Kinder ja auch ein Lebensumfeld ist. Wir alle, die wir etwas älter sind, haben früher auf der Straße spielen können, das ist heute ´ne utopische Vorstellung...."

Bundeskanzler:
"Aber so alt sind Sie ja auch noch nicht."

Barbara Renno:
"...aber auf der Strasse gespielt habe ich schon lange nicht mehr- Straße ist ja auch ein Lebensraum und der Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt hat ein Grußwort hier an den Kindergipfel geschickt und hat darauf hingewiesen, dass das auch ein durchaus zu achtendes Recht ist und ich denke in zehn Jahren sind unsere Mitdiskutanten hier auch schon erwachsen - vielleicht fahren sie dann auch selbst Auto, das wissen wir ja alle natürlich nicht..."

Bundeskanzler:
"Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß."

Barbara Renno:
".... Die Wahrscheinlichkeit groß, aber vielleicht gibt es ja noch andere Möglichkeit, das Miteinander im Straßenverkehr anders zu gestalten, als wir es bisher tun."

Bundeskanzler:
"Ein wichtiges Projekt ist, wir haben die Straßenverkehrsordnung so geändert, dass die Gemeinden in der Lage sind mehr an Zonen einzurichten, wo es deutliche Tempobeschränkungen gibt. Also mehr Zonen wo es Tempo 30 gibt. Das ist die einzige Möglichkeit, über die wir verfügen, um Kinder in den Wohngebieten Spielraum zu verschaffen, Spielraum im wahrsten Sinne des Wortes. Dass sie auf den Durchgangsstraßen oder auf den großen Verbindungsstraßen nicht zum Spielen kommen sollen und werden, anders als in den fünfziger Jahren, das liegt glaub ich auf der Hand, aber in den Wohngebieten kann man mit den Gesetzesänderungen, die wir gemacht haben bei den Gemeinden, bei den Städten so handeln, dass die Wohnbereiche wieder bespielbar werden für Kinder, jedenfalls sich dort ungefährdeter aufhalten können als das früher der Fall war und das halte ich auch für richtig."

Barbara Renno:
"Ich weiß ihr habt noch was dazu zu sagen. Jetzt haben wir 'ne Wortmeldung am Saalmikro und sie wollen wir auch vielleicht dann vorlassen, ja? Bitte..."

TN:
"Also ich bin der Tim und ich hab so'n Teil von der Eröffnungsfeier von der Expo im Fernsehn geguckt und da hab ich irgendwas mitgekriegt mit so nem Wasserstoffauto. Gibt's das eigentlich wirklich?"

Bundeskanzler:
"Ja das gibt es bereits. Die großen, deutschen Automobilfirmen arbeiten mit verschieden, unterschiedlichen Möglichkeiten. Wasserstoff ist eine solche Möglichkeit. Was da entwickelt werden wird und soll, nennt man Brennstoffzelle und einer der denkbaren Energieträger, so heißt das Zeug, einer der denkbaren Antriebsmöglichkeiten, ist das, was Du genannt hast. Das kann man hier übrigens alles auf der Expo sehn."

Barbara Renno:
"Sie merken Herr Bundeskanzler, die jungen Leute nutzen einfach die Gelegenheiten, die sich ihnen bieten und sie informieren sich auch gerne über Zukunftstechnologien. Ich glaube jetzt war hier noch ne Wortmeldung."

TN:
"Aber auch grade mit dem Auto, im Moment gibt es ja noch keine anderen Stoffe, sag ich mal, die auf dem Markt sind, wie Diesel, Öl, Benzin, warum grade mit dem Auto, kann man da nicht mal irgendwie mal Fahrräder mehr fördern oder so? Also wir haben nur mitbekommen, die Fahrräder, Fahrradwege sind abgeschafft worden, teilweise, die Auto sind zum Teil gefahren, so also so übermäßig, dass man einfach nicht mit dem Fahrrad fahren kann als Kind. Das ist zu gefährlich."

Bundeskanzler:
"Also da hab ich andere Erfahrungen gemacht...
(Applaus für den Jungen)
... da hab ich andere Erfahrungen gemacht, die nämlich, dass in den Städten zum Ärger übrigens vieler, eher mehr an gesperrten Zonen für Fahrräder und Fußgängern ist. Es gibt eine Reihe von Entscheidungen, bei Wahlen in Städten, wo Stadtregierungen abgewählt worden sind, weil sie mehr an Fahrrad- und Fußgängerzonen eingerichtet haben. Also was für euch eine Selbstverständlichkeit ist, ist für viele Menschen, die älter sind, noch längst keine. Oder man muss eine Möglichkeit finden, das zum Ausgleich zu bringen. Das zweite ist: Wenn sich mal jemand anschaut, - ich war über acht Jahre lange auch Ministerpräsident eines Landes, nämlich dieses Landes hier - da ist unheimlich viel geschehen im Radwegebau. Vielleicht noch nicht genug, aber da ist schon ne Menge passiert. Das hatte übrigens zu tun mit dem Druck von unten, von alleine kommt das meistens nicht, aber dieser Weg, dass wir Chancen schaffen für Menschen auch zu Fuß oder mit Fahrrädern sich bewegen zu können. Auch gegen das Auto stand zu halten, der wird fortgesetzt werden."

TN:
"Ja das ist gut von Ihnen zu hören, soweit. Ich bin der Thomas aus Hattingen. Es geht darum, wir haben jetzt sehr viel über Energie von Autos gesprochen, nur es gibt auch noch Wasserenergie, die man natürlich nicht vergessen darf. Es haben hundert, ach was erzähl ich hier, tausend von Kindern haben da oben bei Living Lakes ihre Wünsche aufgeschrieben, dass die Seen und Meere viel sauberer werden, dass man auch wieder mehr machen kann. Halt, sie sind einfach wirklich sehr verschmutzt, darüber haben wir uns auch in Kenntnis gesetzt und haben uns auch sehr darüber informiert. Ich möchte Ihnen gerne einmal das kleine Modell hier, das große kriegen Sie natürlich auch, überreichen, dass Sie sich das einfach durchlesen, den Kopf drüber zerbrechen werden und Änderungen machen werden. Dass sie einfach ein bisschen sauberer sind."

Bundeskanzler:
"Wenn da die Adresse drauf steht, dann würde ich jede einzelne Blase, die da drauf steht, auch gerne beantworten, aber dazu müssten da Adressen draufstehen, oder ich schicke das an den Bundesjugendring, mit meinen Antworten und die würden das weitergeben. Einverstanden?"
(tobender Applaus)
"Alle Fragen, die da drauf stehen, werden wir schriftlich beantworten und der Bundesjugendring und seine Vorsitzende werden dafür sorgen, dass die, die die Fragen formuliert haben, auch die Antworten kriegen."

Barbara Renno:
"Alle Fragen stehen da oben, Herr Bundeskanzler."

Bundeskanzler:
"Dann nehmen wir sie alle mit, dann gebt ihr sie uns und da wird da eine Abteilung im Bundeskanzleramt sich freuen, wenn die die alle beantworten dürfen."

TN:
"Es sind ja nur tausend Stück, oder'n paar mehr."

Bundeskanzler:
"Wenn es tausend sind, gibt's tausend Antworten!" (Applaus)

Barbara Renno:
"Ich glaub, das sind gute Ergebnisse, die ihr hier erzielt und das Thema... ja Du, hast noch eine Frage zu dem Thema Verkehr?"

TN:
"Ich hab noch eine Frage: Könnte man nicht also autofreie Sonntage anschaffen, oder so? Wie in Frankreich? Oder Italien?"
(Applaus)

Bundeskanzler:
"Also, das hat es in Deutschland schon einmal gegeben. Wir hatten vor knapp dreißig Jahren, das war 1973, die erste große Ölkrise und der damalige Bundeskanzler hat dann gesagt, lass uns 'nen autofreien Sonntag machen. Das ist eine kurze Weile auch befolgt worden, das war nicht ohne Erfolg. Ich habe Skepsis, ob man das auf freiwilliger Basis jetzt noch hinkriegen würde. Die Idee ist nicht schlecht. Ich halte nix davon, alles gesetzlich anordnen zu müssen, die Umgehungsmöglichkeiten sind viel zu groß. Ich halte ne Menge davon, dass beim Beispiel Energiesparen auch solche Vorschläge mal im Volk diskutiert werden und man das nicht immer per Ordre de Mufti anordnen muss. Ich glaub nicht, dass ich das hinbekomme, aber wie gesagt, der Vorschlag ist einer, über den man in Schulen aber auch mit den Eltern mal reden sollte. Weil es ja nicht so ist, dass man für eine Politik, die auch auf Energiesparen setzt, von vornherein große Unterstützung erhält und deswegen ist mir Hilfe von unten, in diesem Fall von euch, sehr wichtig."

Barbara Renno:
"Wir haben ne Wortmeldung, vielleicht direkt zu diesem Thema:"

TN:
"Hätten Sie das mit den autofreien Sonntagen eingehalten, wäre es vielleicht nicht zu `ner Ölkrise gekommen?"

Bundeskanzler:
"Nein das glaub' ich nicht, weil wir haben ja keine Ölkrise in dem Sinne, wir haben eine Preiskrise. Das heißt, es gibt ja Öl genug, nur die Opec-Staaten auf der einen Seite und die Mineralölkonzerne, also die, die die Tankstellen betreiben auf der andern Seite nehmen zu viel Geld dafür. Der Rohölpreis ist in den letzten anderthalb Jahren.. hat sich verdreifacht und bei den Mineralölkonzern sind dicke Gewinne gemacht worden. Deswegen würde ein autofreier Sonntag daran nichts ändern, sondern er würde nur bewusst machen, dass wir miteinander, die Menschen im Land und Politik, eine Strategie weg vom Öl dringend und schnell einleiten müssen."

Barbara Renno:
"Ich kann euch nur raten, probiert das mal, probiert's mal in eurer eigenen Familie oder macht ne Aktion mit den Elternschulsprechern. Es gibt ja vielfältige Möglichkeiten. Ihr seid ja geübte Demokraten mittlerweile und ich glaub, ihr habt einige Mittel und wer weiß vielleicht wächst da ne Bewegung draus. Manchmal ist ja das kleine.... der Bundeskanzler hat's eben gesagt, ihr müsst, könnt Politik vor Ort machen in eurer Kommune und dann wandert das immer weiter. Wir haben ja dem Anschluss an die Veranstaltung auch noch Gäste aus dem Bundestag und Gäste aus Landtagen hier und ich glaube, das sind ja immer Kreise, die sich immer mehr erweitern. Und ich kann euch raten, nehmt auch die Gelegenheit hinterher noch wahr. Es gibt eine Einrichtung, das ist die Kinderkommission des Deutschen Bundestages, die wird heute auch mit zwei Vertretern hier vor Ort sein und ich denke das sind auch ganz wichtige Ansprechpartner für euch. Ich muss leider auf die Uhr gucken. Wir sind ja in unserer Zeit beschränkt, das haben wir vorher gewusst. Wir lassen eine Wortmeldung noch zu am Saalmikrophon und dann müssen wir auch schon zu unserem letzten Thema kommen. Bitte."

TN:
"Warum wird das Öl immer teurer?"

Bundeskanzler:
"Ja also folgendes: Es gibt Länder, die haben in ihrer Erde Ölvorkommen liegen. Das sind wenige Länder auf der Welt. Die meisten sind im nahen Osten, dann gibt's in Venezuela, also in Südamerika, es gibt ein bisschen in Afrika und natürlich auch in Asien. Der reichste Mann der Welt, der Sultan von Borneo, na vielleicht ist er nur der zweitreichste wegen Bill Gates, der lebt nur von Öl. Das heißt, es gibt - Russland hat natürlich auch was, Libyen und Norwegen auch; auch Großbritannien, und wir hatten mal ein wenig in der norddeutschen Tiefebene. Das heißt, das Öl ist knapp, weil es wenige Länder gibt, in deren Erde Öl ist. Und wer Öl hat, wenn er sich einig ist mit den andern, der kann den Preis bestimmen. Und einig sind sie sich in einer Organisation, die nennt man Opec. Das ist die Zusammenfassung der Länder, oder der meisten, die Öl haben. Wenn die sich einig sind und sagen: wir verkaufen unser Öl nur zu einem ganz bestimmten Preis, sonst kriegste keins. Wenn Du aber welches brauchst, musst du es ja nehmen. Und wenn die sich einig sind, können sie den Preis bestimmen. Weil Öl ja noch nicht ersetzbar ist. Erst wenn wir's ersetzbar machen können, dann könnte man sagen, nö, dann nehmen wir was anderes, behaltet euer Öl. Also die wenigen Ölförderländer bestimmen den Preis, dann wird das Öl aus der Erde geholt und von sechs, sieben großen Konzernen verteilt. Die sind noch viel größer als Volkswagen oder Mercedes. Und die verdienen auch wieder an dem Öl und die lassen sich bezahlen für die Verteilung des Öls. Und diese beiden bestimmen die Preise am Markt und deswegen ist das zur Zeit so teuer, weil sie sich einig sind, einen großen Preis zu verlangen, wenn jetzt jemand käme und sacht, das machen wir nicht mit, weil das Gefahren für die Weltwirtschaft bedeutet, dann sinkt der Preis wieder. Im Moment gibt es Chancen dafür, dass er sinkt, aber wir müssen noch kräftig drücken alle, dass das auch passiert. Bisschen verständlich genug ausgedrückt, oder ...?"
"Das freut mich."

Barbara Renno:
"Jetzt drängts euch natürlich auch nach euern Fragen. Ich bitte euch um kurze Fragen, wir müssen wirklich auf die Uhr gucken, wir haben noch ein Thema, dann macht vielleicht mal dieses Saalmikrophon weiter.."

TN:
"Meine Mutter hat mich auch mal, also ich hab sie gefragt, ob sie mich auch mal irgendwohin fahren wollte, und da hat sie auch gesagt, nein die Kosten sind jetzt auch zu teuer und ich wusste da von dem Thema noch gar nichts und meine Mutter spart auch immer und fährt auch immer nur Auto, wenn das wirklich nötig ist, und wenn die irgendwo zu Fuß hingehen kann, fährt die nicht mit dem Auto."

Renno:
"Da hast Du ja ein gutes Vorbild."
(Applaus)

Bundeskanzler:
"Sagst Du Deiner Mutter einen schönen Gruß von mir und sie machte das völlig richtig."

Barbara Renno:
"Dann macht schnell weiter an diesem Mikrophon:"

TN:
"Bei uns an der Schule, da gibt es auch ziemlich schwere Unfälle. Einmal, da wurde ein Kind angefahren und ich wollte fragen, ob man nicht an Schulen vielleicht mal Kinderampeln machen kann, oder so was?!"

Bundeskanzler:
"Das muss man unbedingt tun. Ich glaube auch, dass man - deine Frage finde ich ganz richtig - dass man im Umfeld von Schulen, das können aber nur die Städte und Gemeinden tun, wo die Schulen sind, ganz besonders vorsichtig sein muss und ganz besonders streng auch mit denen, die da rumrasen, obwohl manchmal nicht nur Autofahrer, manchmal auch diejenigen, die mit Fahrrädern fahren, sind auch nicht immer freundlich zu Fußgängern, dass muss man vielleicht auch mal sagen...."

Barbara Renno:
"Tut aber nicht so weh"

Bundeskanzler:
"Naja, da hat jeder unterschiedliche Erfahrungen wahrscheinlich, aber jedenfalls muss man um die Schulen herum besonders vorsichtig sein, da bin ich absolut deiner Meinung und wo kommst Du her, aus welcher Stadt?"

TN:
"Aus Bad Eilsen"

Bundeskanzler:
"Aus Bad Eilsen. Das ist ja nicht weit weg von hier. Ich werde dem Ministerpräsidenten hier Bescheid sagen, der soll da mal anrufen in Bad Eilsen und soll dem Bürgermeister mal sagen, dass sich das verbessern muss."

Barbara Renno:
"Noch eine Frage am Saalmikrophon, dann gehen wir..."

Bundeskanzler:
"Schreib das mal einer auf, dass der Gabriel da mit Bad Eilsen Kontakt aufnehmen muss."

Barbara Renno:
"Du kommst nachher zu uns und gibst uns die Karte auch, Deine Adresse. Jetzt ist das Saalmikro noch mal dran."

TN:
"Also ich hab eine Frage: Vor unserer Grundschule hatten wir Schülerlotsen in Berlin und also ich glaub' wir waren die letzte Generation Schülerlotsen. Warum gibt's nicht mehr Schülerlotsen, es kostet doch nicht viel, die auszubilden?"

Bundeskanzler:
"Ich kann es Dir nicht sagen. Weißt Du, wir haben eine - ich will mich wirklich nicht rausreden -, aber es gibt eine Situation wo man sagt, für die Schulen und was da geschieht ist so eine Stadt wie Berlin oder ein Land wie Niedersachsen zuständig, für die Sicherung der Schulwege, das kann man nicht für alle Städte in Deutschland von Berlin aus machen, sondern das muss in den Städten selber gemacht werden. Insofern müsste es eigentlich in jeder Gemeinde, in jeder Stadt ein Kinderparlament geben, die einfach dem Bürgermeister sagen "pass mal auf" und die Eltern müssten mithelfen "so geht das nicht" rund um die Schulen herum. Es gibt da übrigens nicht nur das Problem mit Autos und mit Fahrrädern. Zum Beispiel auch um die Schulen herum gibt es das Problem, das wieder aus den Medien raus ist', mit riesigen Hunden, die da rum laufen und die Kinder bedrohen. Auch das dürfte eigentlich nicht sein. Um Orte herum wo Kinder sind, ob das Kindergärten oder Schulen sind, müssen Zonen ganz besonderer Vorsicht geschaffen werden und das müssen Erwachsene kapieren, dass das nicht anders geht, aber es ist schwer, das durchzusetzen; die ganze Diskussion über Kampfhunde und wie man damit umgeht, da hat man das merken können."

Barbara Renno:
"Vielleicht können wir das auch ein bisschen an die Kinderkommission delegieren, weil die können das auch in die Wahlkreise vielleicht transportieren."

Bundeskanzler:
"Das wär' gut."

Barbara Renno:
"Ja das machen wir nachher und jetzt ist das letzte Thema dran, denn jetzt müssen wir in die Schlussrunde gehen."

TN:
"Ich bin der Dominik aus Wuppertal"
"Und ich bin die Anne aus Hattingen."

TN:
"Wir haben uns zusammen mit dem Thema Armut beschäftigt und haben halt festgestellt, dass das überall in Deutschland ein großes Thema ist. Ja und wir sehen das ja auch tagtäglich in der Klasse, wenn Schüler Probleme haben mit dem Geld, weil sie nicht mit auf die Klassenfahrten fahren können und lauter so was."

TN:
"Ja und auch 10% bei den Kindern sind sozial schwach, also da gibt's schon 10% der ganzen Kinder in Deutschland."

Barbara Renno:
"Unter vierzehn Jahren musst Du noch dazu sagen."

TN:
"Ja unter vierzehn Jahren, ja."

Bundeskanzler:
"Die Frage zum Beispiel, an dem Beispiel, das ihr genannt habt. Was kann man tun, wenn ihr in der Klasse merkt von euren Klassenkameradinnen und -kameraden kann jemand nicht mit. Eigentlich könnten die Eltern zum Sozialamt gehen und dort erreichen, dass das finanziert wird. Und es gibt in Deutschland auch eine Möglichkeit, dass das gemacht wird, aber viele Eltern tun das nicht, weil sie da nicht hingehen wollen, weil sie sich vielleicht schämen zuzugeben, dass es ihnen nicht so gut geht wie anderen. Politik kann da wenig machen, sondern kann nur sagen, wenn sie kommen, können wir helfen. Wenn sie nicht kommen, hilft eigentlich nur, dass man beim Elternabend darüber redet und dass vielleicht der Elternratsvorsitzende zu den Eltern geht, die so betroffen sind und sagt, sagen sie mal können wir Ihnen nicht helfen? Also wissen se, wisst ihr man kann nicht jedes Problem in dieser Gesellschaft einfach an einen andern weitergeben, an Politik weitergeben, damit der das löst. Wir können einen Rahmen machen, der Rahmen muss dann ausgefüllt werden von den Menschen selber."

Barbara Renno:
"Vielleicht steckt hinter der Frage auch so ein bisschen die Frage nach Verteilung von Geld. Das ist ja etwas, was Kinder auch interessiert, also... natürlich hören wir wenn die Haushaltsberatungen sind, welches Geld wird wofür ausgegeben und dann stell man sich als Bürger schon mal die Frage, warum und wieso und weshalb für dieses - und Kinder fragen sich wahrscheinlich um so mehr, wieso stehen wir irgendwie ziemlich weit hinten!?!"

Bundeskanzler:
"Also was wir im Moment versuchen, ich glaube nicht ohne Erfolg, ist, durch die Steuerpolitik dafür zu sorgen, dass die, die in die Fabriken, in die Verwaltungen arbeiten gehen, dass die von dem, was sie Brutto bekommen, Netto also mehr im Portemonnaie haben, damit sie sich was kaufen können, damit sie ihren Kindern die Möglichkeiten geben können, an Klassenfahrten teilzunehmen. Das geschieht schrittweise, aber es geschieht. Wir haben deshalb das Kindergeld ganz deutlich erhöht, damit niemand das Gefühl hat, wenn ich Kinder habe, werde ich bestraft dafür in dieser Gesellschaft. Da muss auch noch weiter was passieren. Das ist längst noch nicht Ende der Fahnenstange. Aber das sind die Schritte, die wir machen. Dann gibt es natürlich Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind und dafür gibt es ein Netz, das sie auffängt. Aber nicht jeden gleichermaßen. Im Übrigen, dass in unserer Gesellschaft Reichtum und Vermögen nicht gerecht verteilt ist, das will ich gerne unterstreichen, aber diese ungleiche Verteilung, die lässt sich eben nicht über Nacht ändern. Was passiert, wenn man das versucht, alles gleich zu behandeln, gleichsam über Nacht, haben wir in der früheren DDR gesehen, da hat das nicht funktioniert, da hat Gerechtigkeit sozusagen verstoßen gegen den Grundsatz der Leistungsfähigkeit und auch gegen den Grundsatz der Freiheit. Und man muss verschiedene Dinge in der Politik in Übereinstimung miteinander bringen, manchmal gelingt es besser, manchmal schlechter, aber es ist wohl wahr, dass es schwierig ist."

TN:
"Ich denke, dass es noch ein viel gravierenderes Problem von Armut gibt, wo die Politik meiner Meinung nach mehr ändern kann. Ich komm aus Berlin und muss in letzter Zeit sehr stark feststellen, dass, wenn ich zum Beispiel aus der U-Bahn komme, Kinder verwahrlost und bettelnd am Rand stehen und Geld verlangen, weil sie nicht genug haben. Außerdem ist es so, dass im letzten Winter in Berlin Obdachlose erfroren sind. Und da wollte ich fragen, wird das jetzt zur Norm?"

Bundeskanzler:
"Nein, das darf auf keinen Fall zur Norm werden. Ich sag's noch Mal, wir geben viel Geld für Sozialpolitik aus und stellen auch viele Möglichkeiten zu Verfügung. Die Städte tun es, auch in Berlin wird es getan. Aber immer wieder passiert es, dass Verwahrlosung und dass Armut unterhalb der Grenze, die für uns alle nicht sein darf, stattfindet. Es gibt kein Patentrezept, das zu ändern, auch ich habe keines. Was man tun kann ist, die Einrichtungen zu fördern, die solche Menschen - auch Kinder - auffangen. Was man tun kann ist, ich habe darüber geredet, einen Rahmen zu schaffen, der es jedem Menschen erlaubt, das Nötigste wenigstens zu bekommen. Wir sind ja ein unermesslich reiches Land. Es müsste eigentlich gehen. Aber ihr werdet immer wieder feststellen, dass es Dinge gibt, die euch stören und zwar zu Recht stören. Es wird nie aufhören. Ich kann euch deswegen nur sagen, engagiert euch in solchen Fragen, politisch aber auch bei Kirchen, Wohlfahrtsverbänden, Jugendverbänden, die dagegen angehen. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Ich kann das nicht alleine regeln."

TN:
"Das ist so unpersönlich, mit ‚man' und so. Können Sie sich nicht dafür im Bundestag einsetzen?"

Bundeskanzler:
"Wir tun dies ja.
(Beifall...)
Wir tun das mit vielen Gesetzgebungsmaßnahmen. Und wenn die beschlossen werden, wird gerade darüber geredet. Wir müssen jedes Jahr, das hat die neue Regierung, das haben die Parlamentarier von uns verlangt, jedes Jahr muss meine Regierung einen so genannten Armutsbericht vorlegen, d.h. wir müssen ganz genau aufschreiben, wie es den Menschen im Land geht, wie viele davon unterhalb der Armutsgrenze leben und wie viele nicht und daraus werden dann Konsequenzen in der Politik gezogen. Ich sage dir trotzdem, dass es immer wieder Dinge geben wird, die dich mit Recht berühren und die du auch anklagst. Wir kriegen keine Situation, wo alles in Ordnung ist, sondern wir müssen immer wieder neu anfangen zu kämpfen."

TN:
"Anschließend wollten wir auch sagen: Wir haben jetzt nicht nur Armut in Deutschland geguckt, sondern wir haben auch außerhalb Deutschlands z.B. in den Entwicklungsländern. Dabei haben wir festgestellt, dass die immer dabei sind, Zinsen zu zahlen von den Leihgaben, die u.a. auch Deutschland gemacht hat und dass die dann von ihren Verdiensten, die sie erhalten, eigentlich gar nichts haben. Und wir hatten auch beschlossen bzw. überlegt, ob das nicht geht, dass man diese Zinsen weglässt oder sogar die Schulden, damit die in ihrem eigenen Land auch Schulen bauen können und auf eigenem Weg das machen können."
(Beifall)

Bundeskanzler:
"Da habt ihr mir eine gute Frage gestellt. Da habt ihr nämlich etwas beschlossen, was wir schon gemacht haben. Endlich waren wir ´mal schneller als ihr! Wir haben nämlich in Köln auf dem Weltwirtschaftsgipfel beschlossen, den 20 ärmsten Ländern - und Deutschland war da der Vorreiter - den 20 ärmsten Ländern der Welt 90% aller Schulden zu erlassen, die sie haben. Und wir sind dann nach Kairo zu einem Gipfel Afrika-Europa gegangen und ich habe dort angekündigt, nach meiner Meinung dürfen es nicht 90%, sondern es müssen 100% sein. Also, Deutschland wird den 20 ärmsten Entwicklungsländern der Welt ihre gesamten Schulden streichen, weil wir wollen, was du forderst, dass sie von den dann nicht mehr zu bezahlenden Zinsen Schulen bauen, dass sie also Bildung fördern. Wir wollen, dass sie Gesundheit vor allen Dingen fördern für Mütter und Kinder zumal. Wir werden das auch kontrollieren. Wer meint, und das hat es auch gegeben, erlassenes Geld könnte in einer kleinen Oberschicht verschwinden, der wird irren, sondern wir werden das kontrollieren. Die Weltorganisationen werden das kontrollieren, dass die erlassenen Schulden auch da ankommen, wo ihr sie haben wollt, nämlich bei Gesundheitsvorsorge, bei Bildung, bei Infrastruktur, also was man so Straßen und ähnliches nennt."

Barbara Renno:
"Hast du eine kurze Frage, wir müssen einfach auf die Uhr schauen. Wenn du eine kurze Frage hast, dann kannst du sie noch gerne stellen."

TN:
"Ganz viele Leute, die arbeitslos sind, können auch eine Arbeit kriegen, denken aber, ich kriege jetzt ein schönes Arbeitslosengeld, aber ich bekomme so mehr, als wenn ich arbeite."

Bundeskanzler:
"Nein, soll es nicht geben und das gibt es auch nicht. Jeder, der arbeitet, muss mehr bekommen als derjenige, der nicht arbeitet. Nur es gibt leider einen Haufen Leute immer noch, wir haben das jetzt um fast 1 Million reduzieren können in den letzten zwei Jahren, die, obwohl sie arbeiten wollten, keine Arbeit finden. Und denen muss man natürlich helfen. Die müssen ja sich und ihre Familien auch durchbringen können. Aber das Prinzip muss gelten und das gilt auch, dass derjenige, der arbeiten geht, mehr in der Tasche hat als derjenige, der unverschuldet keine Arbeit hat."

TN:
"Wenn sie mit 20 Ländern angefangen haben, finden sie dann nicht, auch weiter daran zu arbeiten. Ich mein, 20 Länder ist ein Tropfen auf den heißen Stein."

Bundeskanzler:
"Ich habe schon verstanden. Sie meint, 20 der ärmsten Ländern wären nicht genug. Das ist nie genug. Aber ich denke, dass dieses eine Geste ist, dass dies ein guter Anfang ist. So wird das im übrigen auch von den Gruppen, die sich engagieren, gesehen. Du hast völlig recht, wir müssen international dazu kommen, dass diese Initiative weiter geht. Da braucht es übrigens nicht nur die Staaten, sondern wir müssen auch dazu kommen, dass die privaten Geldgeber, also die Banken beispielsweise und die großen Fonds, die Geld verwalten, dass die nicht, wenn wir erlassen, darein gehen und die Spirale von neuem beginnt."

Barbara Renno:
"Ja, das war es. Das war die Redezeit für Kinder. Das war der Gipfel auf der EXPO 2000. Herr Bundeskanzler, ich glaube, sie haben gemerkt, dass sie mit sehr ernsthaften Gesprächspartnern und Gesprächspartnerinnen zu tun haben, die die Umwelt sehr genau beobachten und die sich sehr genau angucken, was um sie herum vorgeht und die sehr wohl bereit sind, auch Verpflichtungen einzugehen, die ihre Rechte klar formulieren. Die sich aber bewusst darüber sind, dass sie auch als Kinder Pflichten haben. Ich hoffe, dass sie einiges von unserer Veranstaltung heute mitnehmen und symbolisch möchten Ihnen die Anne und der Jan Karim den Zukunftsvertrag überreichen."

TN:
"Ich wollte noch sagen, ich hoffe, dass sie sich den noch genau ansehen werden und dass wir Sie vielleicht in zwei Jahren wieder treffen können, um die Ergebnisse zu vergleichen oder über die Ergebnisse zu sprechen."
(Beifall)

Bundeskanzler:
"Das machen wir in zwei Jahren wieder. Das verspreche ich. Ich stehe euch dann zur Verfügung und mit dem 'ernsthaft', das war schon richtig, so habe ich es gesehen. Ich bin ganz sicher, in diesem Kreis sitzt eine oder einer, der irgendwann mein Nachfolger wird. Und wenn das in diesem Kreis der Fall ist, dann brauche ich keine Angst zu haben. Also alles Gute und viel Spaß noch auf der Weltausstellung. Ich habe noch eine ganz einfache Frage, könnt ihr laut beantworten: Es wird ja viel ´rumgemäkelt an dieser Weltausstellung. Findet ihr sie toll oder nicht?"

Publikum:
"Ja,......!!!!!!!!!!!"




Der Kindergipfel ist ein Projekt der Naturfreundejugend Deutschlands

und der Zeitschrift

mit Unterstützung durch

der Akademie Remscheid für musische Bildung und Medienerziehung
Gefördert durch die Stiftung Jugendmarke

Letzte Änderung am 06.04.2001 durch Günter Klarner