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Der Kindergipfel 2000:
Die Diskussion mit den Abgeordneten des Deutschen Bundestages

Dies ist die Dokumentation der Diskussion mit deAbgeordneten des Deutschen Bundestages während des Kindergipfels 2000 am 2.Oktober 2000 in Hannover. Ihr könnt den Text als Word Datei (Word 2.0, 104 KB) oder Rich Text (112 KB) laden.



Themenbereich: Ernährung

Konstantin:
Wir kommen jetzt zum nächsten Punkt Ernährung.

Daniel:
Ich bin der Daniel aus Frankfurt.

Pascal:
Und ich bin der Pascal aus Schramberg.

Daniel:
Uns ist aufgefallen, dass, wenn man in der Stadt spazieren geht, es fast an jeder Ecke McDonald's gibt oder fast food und dass dort schädliche Mittel drin sind, die der Haut und den Kindern nicht sehr gut tut. Und deswegen möchten wir, dass es im Essen weniger Chemie gibt. Ob man da was tun kann?

Reiner König:
Also, jetzt ist, glaube ich, die Wirtschaft gefragt. Es gibt ja Hersteller, die Nahrungsmittel auf vernünftiger Basis anbieten und hier sprichst du ein Problem an, McDonald's vermittelt eine Welt, auf die natürlich alle - ich muss fast sagen - hereinfallen. Es wäre gut, wenn man natürlich eine andere Form von Kommunikation finden könnte, um auch wirklich wichtige Nahrungsmittel besser zu vermarkten. Das klappt nicht immer so ganz gut, das hängt auch damit zusammen, das ein globaler Konzern gegen einen nationalen Hersteller, also jemand aus Deutschland, einfach die besseren Karten hat. Ich denke aber, ihr seid alle Verbraucher und ihr seid auch Wähler. Insofern wählt ihr immer, an der Urne, aber auch jeden Tag, egal, was ihr eben konsumiert. Da habt ihr die Chance, zu agieren. Also jeden Tag zu sagen, wo gehe ich hin, was esse ich oder was esse ich nicht.

Detlev von Larcher:
Darf ich eine Frage stellen, wer von euch war noch nicht bei McDonald's? (Gelächter, Unruhe) Nicht heute, sondern überhaupt? Das waren zwei oder drei, also eine verschwindende Minderheit. Aber er hat ja recht, wenn niemand zu McDonald's ginge, gäb's McDonald's nicht.

Teilnehmer:
Gerade bei McDonald's, da muss ja immer das Fleisch gleich sein und deshalb gibt es ja auch Massentierhaltung, und z.B. bei Hühnern ist es ja auch so, aber kann man irgendetwas gegen Massentierhaltung tun?

Teilnehmerin:
Es haben ja viele Allergien heutzutage, und die können dann ganz viele Sachen nicht essen. Auf die sollte auch aufmerksam gemacht werden.

Sven Borsche:
Ich gehe einerseits davon aus, dass die Lebensmittelgesetze und auch, dass die Gesetze für bzw. gegen ungesunde Tierhaltung in Deutschland relativ weit entwickelt sind. Aber ich möchte gerne andererseits die Situation nochmals dazu benutzen zu sagen, es ist ganz richtig, sich für eine noch bessere Ernährung einzusetzen. Aber ich glaube, die Kinderpolitiker müssen sich klar machen, dass sie nicht die einzigen sind im Lande. Und dass es da ganz massive andere Interessen gibt, mit denen man sich auseinandersetzen muss. Und einerseits kann man sich auseinandersetzen, in dem man sich individuell als Konsument verhält. Und das ist ja eben auch gesagt worden, ich kann meinen Sohn..., wenn ich es schaffe, dass er nur einmal im Monat zu McDonald's geht, dann bin ich gut. Dafür müssen wir auch viel kochen zu Hause und andere Sachen machen, die noch besser schmecken. Das ist auch Arbeit und das kostet auch Kraft. Auch wie viele Kindergeburtstage werden bei McDonald's gefeiert? Die machen damit Werbung und viele gehen da auch ganz gerne hin. Ich will auch gar nichts dagegen sagen. Nur, man muss das sozusagen abwägen, erstens, dass man selber sich verhalten kann, zweitens, dass es einfach andere Interessenlage gibt, und die reagieren darauf, was gebraucht wird und was gekauft wird. Und das ist sehr vielschichtig in unserer Gesellschaft.

Teilnehmer:
Sie haben gerade gesagt, dass das in Deutschland schon ziemlich fortgeschritten ist mit der "guten" Tierhaltung in Anführungszeichen.. Ich meine, man kann sich immer nach unten orientierten. Wir können immer sagen, wir sind besser als die und die und die. Aber wir sind immer noch nicht so gut, dass es reicht. Z.B. finde ich es ziemlich schlecht, wenn Zeichen auf den Produkten sind, also wenn die Produkte markiert sind, dass sie von Biobauern kommen, dass man sich nicht darauf verlassen kann, dass es wirklich so ist. Man kann nicht davon ausgehen, wenn man Eier kauft und da steht drauf Freilandhaltung, dass das so ist. Es ist nicht so, es wird geschummelt.

Detlev von Larcher:
Also, ich habe mir euren Vertrag sofort durchgelesen und alle die Forderungen die ihr zu diesem Thema habt, die könnte ich unterschreiben. Und ich gebe dir recht, wir sind in Deutschland noch lange nicht so weit, wie wir sein könnten. Aber da hat mein Vorredner schon von verschiedenen Interessen, auch wirtschaftlichen Interessen gesprochen, auch von dem Interesse der Verbraucher oder vieler von euren Eltern, die sagen, die Lebensmittel dürfen auch nicht zu teuer werden. Wir müssen an dem Punkt aber weiter machen, da habt ihr völlig recht. Was die Auszeichnungspflicht, so nennt man das ja, was du sagst, wenn da drauf steht "von freilaufenden Hühnern", da muss man sich auch drauf verlassen können oder genveränderte Nahrungsmittel, das muss dann auch stimmen, das muss auch ausgezeichnet werden, so dass man erst mal überhaupt weiß, was man kauft, das ist ganz wichtig. Das ist ein wichtiger Punkt, der zu diesem Thema dazugehört. Also, ich glaube, wir machen was wir können oder was wir bisher konnten. Ihr habt von der Massentierhaltung gesprochen. Jetzt gibt es eine Verordnung, dass die Hühnerställe ein bisschen größer werden als nur ein DIN A4 Blatt Papier. Meiner Meinung nach reicht das immer noch nicht, aber schon das durchzusetzen hat den Widerstand all derer hervorgerufen, die eben Hühnerhaltung machen. Und deswegen drückt weiter, da muss wirklich noch viel gemacht werden.

Konstantin:
Das ist richtig, es muss viel gemacht werden. Nur ich hätte jetzt auch ein paar klarere Antworten, was gemacht werden muss, oder was Sie machen werden. Denn auf die Frage, was gemacht werden kann wurde gegengefragt, wer alles schon bei McDonald's war. Das ist ein schöner Gag, aber es bringt uns nicht weiter. Ich habe z.B. den Vorschlag, dass die Benutzung von Haltbarkeitsstoffen eingeschränkt oder ganz abgeschafft. Dann wird es alles ein bisschen frischer. Da kann man doch z.B. ein Gesetz machen, oder?

Reiner König:
Entschuldigung, ich glaube, die Diskussion geht nicht weiter, wenn man nur darüber redet, wer muss was machen. Natürlich müssen alle was machen. Und es geht nicht so, dass man sagt, die Politik muss erst etwas machen und er darf dich nicht zurück fragen, wie oft du zu McDonald's gehst, weil du ja auch was machen musst. Die Wirtschaft muss was machen. Und es geht einfach darum, das zu koordinieren. Und das ist die Aufgabe der Politik, zu koordinieren. Ich würde nur darum bitten, dass man die Wirtschaft mehr in die Pflicht nimmt und versucht z.B. Aufkleber, Die Öko-Label, die auf Nahrungsmitteln usw. existieren, dass man so was einfach auch ernst nimmt. Ich würde mich freuen, wenn solche Unternehmen sich halb so clever vermarkten würden, wie es McDonald's gut, das funktioniert leider tierisch gut.

Anne:
Und ich denke, die Kinder hier haben ja auch Selbstverpflichtungen aufgestellt. Vielleicht sagt ihr die auch noch einmal kurz, damit halt gezeigt wird, dass wir nicht nur Forderungen stellen, sondern dass wir auch was tun wollen.

Junge:
Als Selbstverpflichtung haben wir aufgeschrieben, dass wir versuchen, nicht zuviel Süßes zu essen, statt dessen mehr Obst und Gemüse. Wir könnten auch einfach weniger zu McDonald's gehen und McDonald's mal einfach meiden und den Kindergeburtstag in einer Pizzeria feiern.

Mädchen:
Und ich meine, 90% der Eier, die wir Menschen essen am Tag, sind nicht von frei laufenden Hühnern, sondern aus Käfighaltung.

Konstantin:
Und eine Frage wollte ich noch stellen an die Politiker oder Nichtpolitikern, die hier sind: Wer von Ihnen war denn auch noch nicht bei McDonald's?

Detlev von Larcher:
Ich. Ich war noch nie bei McDonald's. (Beifall)

Konstantin:
20 %, wenn ich das jetzt richtig ausgerechnet habe.

Detlev von Larcher:
Also, du siehst ja, wir können alle noch mehr dazu tun.

Anne:
Ich denke, dass wir hier vielleicht einen Schnitt machen sollen, weil wir leider nicht mehr so viel Zeit haben. Hier war noch - glaube ich - was anzusprechen.

Teilnehmer:
Es gab gerade eine Wortmeldung von der jungen Dame da vorne in dem grauen Pulli. Wir protestieren ja gegen die Massentierhaltung und da hatte sie gesagt, jedes Kind hat ja auch Rechte. Und das fängt ja eigentlich auch an, wenn man schon im Mutterleib ist. Und jeder weiß vielleicht, dass es vom Arzt oder Krankenhaus so'n Wisch zu kriegen gibt, wo drauf steht "Abtreibung soundso". Ich denke, da sollte auch was gegen tun anstatt nur gegen diese Massentierhaltung.

Teilnehmerin:
Wir wollten auch, dass die Sachen, die in den Lebensmitteln sind, deutlicher gekennzeichnet werden, so dass die Menschen und Kinder, die das kaufen, das auch verstehen können und nicht nur irgendwelche gebildeten Leute.

Sven Borsche:
Man kann da nur zu sagen, dass es da ganz starke Bemühungen auch auf der europäischen Ebene gibt. Aber es sind einfach Mehrheitsentscheidungen. Und diese Mehrheitsentscheidungen müssen erkämpft werden. Und das muss man eben auch mit realisieren. Es gibt einige Organisationen, die ganz deutlich sagen, viel, viel, viel mehr Kennzeichnungspflicht. Die setzen sich politisch aber noch nicht durch. Und damit sind sie alle dran beteiligt.
Ich wollte noch auf die eine Frage antworten, was macht ihr denn oder was machen Sie konkret. Ich bin eben nicht für Lebensmittelsachen zuständig. Das ist keine Entschuldigung, aber deswegen kann ich da nicht so viel sagen. Ich will es auf die Kinderrechte beziehen. Wir machen ganz große Anstrengungen, etwa mit der Kultusministerkonferenz, Vereinbarungen zu treffen, dass die Kinderrechte auch in den Schulen, in den Lehrplänen auftauchen. Wir unterhalten uns mit Fachhochschulen, auch mit Universitäten, die Lehrer ausbilden, die Sozialarbeiter ausbilden, dass die Kinderrechte ein Gegenstand der Ausbildung werden. Damit diejenigen, die mit Kindern zu tun haben, auch wissen, um was es dabei geht. Und letztendlich schlägt sich das auch nieder auf die Frage der Familien, der Elternbildung, der Elternberatung. Da sitzen die Sozialarbeiter, da sitzen die Psychologen und die sollen auch über diese Dinge Bescheid wissen.

Konstantin:
Da setzen wir jetzt auch einen Punkt. Jetzt kommt noch eine wichtige Sache von Anne und gebe das Wort weiter.

Anne:
Ja ich wollte Ihnen noch den Vertrag überreichen, damit sie das noch einmal genau nachgucken können und alles gut durchlesen können.

Rolf Stöckel:
Herzlichen Dank. Ich werde die anderen Kolleginnen und Kollegen der Kinderkommission bitten, dass wir uns in der nächsten Sitzung mit euren Forderungen, mit eurem Vertrag, mit unserem Vertrag beschäftigen werden und wir werden ganz konkrete Punkte überlegen. Was wir denn jetzt bis zum nächsten Kindergipfel schaffen können. Was ganz wichtig ist, meine Kollegin hat das in der ersten Runde gesagt, wir brauchen als Interessensvertreter der Kinder im Bundestag in der Bundespolitik auch mehr Rechte. Wir wollen eigentlich bei allen Gesetzesvorhaben so etwas wie eine Kinderverträglichkeitsprüfung machen. Und das können wir im Moment noch gar nicht, weil wir viel zu wenig Zuarbeit haben und wir müssen ja als Abgeordnete alle anderen Aufgaben auch erledigen. Aber wir versprechen euch, wir werden zu jedem einzelnen Punkt überlegen, was haben wir schon erreicht und was müssen wir da eigentlich noch nacharbeiten. Und dann werden wir uns beim nächsten Kindergipfel darüber unterhalten. Herzlichen Dank.

Anne:
Ich denke, dass auch die Kinder hier die Selbstverpflichtungen sehr ernst nehmen werden und auch daran arbeiten werden. Und dann möchte ich noch etwas sagen. Ich denke, dass ich mich hier im Namen aller Kinder, alle die hier sind, bei Ihnen bedanken darf, dass sie heute hier waren und mit uns darüber gesprochen haben. Wir haben uns darüber sehr gefreut. Und es hat uns auch sehr geholfen und ich denke, dass wir damit auch ein sehr großes Stück weiter gekommen sind. (Beifall)

Sven Borsche:
Ich wollte noch eine Sache sagen. Ich habe in der Pause mitbekommen, dass habt ihr oder Sie auch gesehen, dass die Moderation gewechselt hat von der ersten zur zweiten Runde. Ich fand das sehr spannend, dass die Kinder, die Jugendlichen selber übernommen und wollte mich bei den Jugendlichen sehr herzlich bedanken, weil ich denke, dass sie diese Moderation in der letzten Stunde hervorragend gemacht haben. (Starker Beifall)

Konstantin:
Dankeschön. Und nächstes Mal machen wir's vielleicht noch'n bisschen besser.

Petra Scherer:
Wir möchten uns auch bei allen Kindern nochmals herzlich bedanken, die hier beim Kindergipfel mitgemacht haben. Es war ja im Vorfeld dieser Veranstaltung sehr viel Arbeit nötig in den einzelnen regionalen Arbeitsgruppen. Also, nochmal ein herzliches Dankeschön. Ihr habt uns nämlich sehr viele Ideen und Anregungen mitgegeben und wir versprechen euch, wir werden das alles mitnehmen und versuchen auch umzusetzen. Also nochmals ein herzliches Dankeschön.

Konstantin:
Ich denke, jetzt ist diese ganze Diskussionsrunde für heute beendet und wir sehen uns dann hoffentlich beim nächsten Kindergipfel wieder.




Der Kindergipfel ist ein Projekt der Naturfreundejugend Deutschlands

und der Zeitschrift

mit Unterstützung durch

der Akademie Remscheid für musische Bildung und Medienerziehung
Gefördert durch die Stiftung Jugendmarke

Letzte Änderung am 25.09.2001 durch Günter Klarner