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Themenbereich: Ernährung
Konstantin: Wir kommen jetzt zum nächsten Punkt Ernährung.
Daniel: Ich bin der Daniel aus Frankfurt.
Pascal: Und ich bin der Pascal aus Schramberg.
Daniel: Uns ist aufgefallen, dass, wenn man in der Stadt
spazieren geht, es fast an jeder Ecke McDonald's gibt oder fast food und dass
dort schädliche Mittel drin sind, die der Haut und den Kindern nicht sehr
gut tut. Und deswegen möchten wir, dass es im Essen weniger Chemie gibt. Ob
man da was tun kann?
Reiner König: Also, jetzt ist, glaube ich, die Wirtschaft
gefragt. Es gibt ja Hersteller, die Nahrungsmittel auf vernünftiger Basis
anbieten und hier sprichst du ein Problem an, McDonald's vermittelt eine Welt,
auf die natürlich alle - ich muss fast sagen - hereinfallen. Es wäre
gut, wenn man natürlich eine andere Form von Kommunikation finden könnte,
um auch wirklich wichtige Nahrungsmittel besser zu vermarkten. Das klappt nicht
immer so ganz gut, das hängt auch damit zusammen, das ein globaler Konzern
gegen einen nationalen Hersteller, also jemand aus Deutschland, einfach die
besseren Karten hat. Ich denke aber, ihr seid alle Verbraucher und ihr seid auch
Wähler. Insofern wählt ihr immer, an der Urne, aber auch jeden Tag,
egal, was ihr eben konsumiert. Da habt ihr die Chance, zu agieren. Also jeden
Tag zu sagen, wo gehe ich hin, was esse ich oder was esse ich nicht.
Detlev von Larcher: Darf ich eine Frage stellen, wer von euch
war noch nicht bei McDonald's? (Gelächter, Unruhe) Nicht heute, sondern überhaupt?
Das waren zwei oder drei, also eine verschwindende Minderheit. Aber er hat ja
recht, wenn niemand zu McDonald's ginge, gäb's McDonald's nicht.
Teilnehmer: Gerade bei McDonald's, da muss ja immer das Fleisch
gleich sein und deshalb gibt es ja auch Massentierhaltung, und z.B. bei Hühnern
ist es ja auch so, aber kann man irgendetwas gegen Massentierhaltung tun?
Teilnehmerin: Es haben ja viele Allergien heutzutage, und die können
dann ganz viele Sachen nicht essen. Auf die sollte auch aufmerksam gemacht
werden.
Sven Borsche: Ich gehe einerseits davon aus, dass die
Lebensmittelgesetze und auch, dass die Gesetze für bzw. gegen ungesunde
Tierhaltung in Deutschland relativ weit entwickelt sind. Aber ich möchte
gerne andererseits die Situation nochmals dazu benutzen zu sagen, es ist ganz
richtig, sich für eine noch bessere Ernährung einzusetzen. Aber ich
glaube, die Kinderpolitiker müssen sich klar machen, dass sie nicht die
einzigen sind im Lande. Und dass es da ganz massive andere Interessen gibt, mit
denen man sich auseinandersetzen muss. Und einerseits kann man sich
auseinandersetzen, in dem man sich individuell als Konsument verhält. Und
das ist ja eben auch gesagt worden, ich kann meinen Sohn..., wenn ich es
schaffe, dass er nur einmal im Monat zu McDonald's geht, dann bin ich gut. Dafür
müssen wir auch viel kochen zu Hause und andere Sachen machen, die noch
besser schmecken. Das ist auch Arbeit und das kostet auch Kraft. Auch wie viele
Kindergeburtstage werden bei McDonald's gefeiert? Die machen damit Werbung und
viele gehen da auch ganz gerne hin. Ich will auch gar nichts dagegen sagen. Nur,
man muss das sozusagen abwägen, erstens, dass man selber sich verhalten
kann, zweitens, dass es einfach andere Interessenlage gibt, und die reagieren
darauf, was gebraucht wird und was gekauft wird. Und das ist sehr vielschichtig
in unserer Gesellschaft.
Teilnehmer: Sie haben gerade gesagt, dass das in Deutschland
schon ziemlich fortgeschritten ist mit der "guten" Tierhaltung in Anführungszeichen..
Ich meine, man kann sich immer nach unten orientierten. Wir können immer
sagen, wir sind besser als die und die und die. Aber wir sind immer noch nicht
so gut, dass es reicht. Z.B. finde ich es ziemlich schlecht, wenn Zeichen auf
den Produkten sind, also wenn die Produkte markiert sind, dass sie von Biobauern
kommen, dass man sich nicht darauf verlassen kann, dass es wirklich so ist. Man
kann nicht davon ausgehen, wenn man Eier kauft und da steht drauf
Freilandhaltung, dass das so ist. Es ist nicht so, es wird geschummelt.
Detlev von Larcher: Also, ich habe mir euren Vertrag sofort
durchgelesen und alle die Forderungen die ihr zu diesem Thema habt, die könnte
ich unterschreiben. Und ich gebe dir recht, wir sind in Deutschland noch lange
nicht so weit, wie wir sein könnten. Aber da hat mein Vorredner schon von
verschiedenen Interessen, auch wirtschaftlichen Interessen gesprochen, auch von
dem Interesse der Verbraucher oder vieler von euren Eltern, die sagen, die
Lebensmittel dürfen auch nicht zu teuer werden. Wir müssen an dem
Punkt aber weiter machen, da habt ihr völlig recht. Was die
Auszeichnungspflicht, so nennt man das ja, was du sagst, wenn da drauf steht "von
freilaufenden Hühnern", da muss man sich auch drauf verlassen können
oder genveränderte Nahrungsmittel, das muss dann auch stimmen, das muss
auch ausgezeichnet werden, so dass man erst mal überhaupt weiß, was
man kauft, das ist ganz wichtig. Das ist ein wichtiger Punkt, der zu diesem
Thema dazugehört. Also, ich glaube, wir machen was wir können oder was
wir bisher konnten. Ihr habt von der Massentierhaltung gesprochen. Jetzt gibt es
eine Verordnung, dass die Hühnerställe ein bisschen größer
werden als nur ein DIN A4 Blatt Papier. Meiner Meinung nach reicht das immer
noch nicht, aber schon das durchzusetzen hat den Widerstand all derer
hervorgerufen, die eben Hühnerhaltung machen. Und deswegen drückt
weiter, da muss wirklich noch viel gemacht werden.
Konstantin: Das ist richtig, es muss viel gemacht werden. Nur
ich hätte jetzt auch ein paar klarere Antworten, was gemacht werden muss,
oder was Sie machen werden. Denn auf die Frage, was gemacht werden kann wurde
gegengefragt, wer alles schon bei McDonald's war. Das ist ein schöner Gag,
aber es bringt uns nicht weiter. Ich habe z.B. den Vorschlag, dass die Benutzung
von Haltbarkeitsstoffen eingeschränkt oder ganz abgeschafft. Dann wird es
alles ein bisschen frischer. Da kann man doch z.B. ein Gesetz machen, oder?
Reiner König: Entschuldigung, ich glaube, die Diskussion
geht nicht weiter, wenn man nur darüber redet, wer muss was machen. Natürlich
müssen alle was machen. Und es geht nicht so, dass man sagt, die Politik
muss erst etwas machen und er darf dich nicht zurück fragen, wie oft du zu
McDonald's gehst, weil du ja auch was machen musst. Die Wirtschaft muss was
machen. Und es geht einfach darum, das zu koordinieren. Und das ist die Aufgabe
der Politik, zu koordinieren. Ich würde nur darum bitten, dass man die
Wirtschaft mehr in die Pflicht nimmt und versucht z.B. Aufkleber, Die Öko-Label,
die auf Nahrungsmitteln usw. existieren, dass man so was einfach auch ernst
nimmt. Ich würde mich freuen, wenn solche Unternehmen sich halb so clever
vermarkten würden, wie es McDonald's gut, das funktioniert leider tierisch
gut.
Anne: Und ich denke, die Kinder hier haben ja auch
Selbstverpflichtungen aufgestellt. Vielleicht sagt ihr die auch noch einmal
kurz, damit halt gezeigt wird, dass wir nicht nur Forderungen stellen, sondern
dass wir auch was tun wollen.
Junge: Als Selbstverpflichtung haben wir aufgeschrieben, dass
wir versuchen, nicht zuviel Süßes zu essen, statt dessen mehr Obst
und Gemüse. Wir könnten auch einfach weniger zu McDonald's gehen und
McDonald's mal einfach meiden und den Kindergeburtstag in einer Pizzeria feiern.
Mädchen: Und ich meine, 90% der Eier, die wir Menschen
essen am Tag, sind nicht von frei laufenden Hühnern, sondern aus Käfighaltung.
Konstantin: Und eine Frage wollte ich noch stellen an die
Politiker oder Nichtpolitikern, die hier sind: Wer von Ihnen war denn auch noch
nicht bei McDonald's?
Detlev von Larcher: Ich. Ich war noch nie bei McDonald's.
(Beifall)
Konstantin: 20 %, wenn ich das jetzt richtig ausgerechnet habe.
Detlev von Larcher: Also, du siehst ja, wir können alle
noch mehr dazu tun.
Anne: Ich denke, dass wir hier vielleicht einen Schnitt machen
sollen, weil wir leider nicht mehr so viel Zeit haben. Hier war noch - glaube
ich - was anzusprechen.
Teilnehmer: Es gab gerade eine Wortmeldung von der jungen Dame
da vorne in dem grauen Pulli. Wir protestieren ja gegen die Massentierhaltung
und da hatte sie gesagt, jedes Kind hat ja auch Rechte. Und das fängt ja
eigentlich auch an, wenn man schon im Mutterleib ist. Und jeder weiß
vielleicht, dass es vom Arzt oder Krankenhaus so'n Wisch zu kriegen gibt, wo
drauf steht "Abtreibung soundso". Ich denke, da sollte auch was gegen
tun anstatt nur gegen diese Massentierhaltung.
Teilnehmerin: Wir wollten auch, dass die Sachen, die in den
Lebensmitteln sind, deutlicher gekennzeichnet werden, so dass die Menschen und
Kinder, die das kaufen, das auch verstehen können und nicht nur
irgendwelche gebildeten Leute.
Sven Borsche: Man kann da nur zu sagen, dass es da ganz starke
Bemühungen auch auf der europäischen Ebene gibt. Aber es sind einfach
Mehrheitsentscheidungen. Und diese Mehrheitsentscheidungen müssen erkämpft
werden. Und das muss man eben auch mit realisieren. Es gibt einige
Organisationen, die ganz deutlich sagen, viel, viel, viel mehr
Kennzeichnungspflicht. Die setzen sich politisch aber noch nicht durch. Und
damit sind sie alle dran beteiligt. Ich wollte noch auf die eine Frage
antworten, was macht ihr denn oder was machen Sie konkret. Ich bin eben nicht für
Lebensmittelsachen zuständig. Das ist keine Entschuldigung, aber deswegen
kann ich da nicht so viel sagen. Ich will es auf die Kinderrechte beziehen. Wir
machen ganz große Anstrengungen, etwa mit der Kultusministerkonferenz,
Vereinbarungen zu treffen, dass die Kinderrechte auch in den Schulen, in den
Lehrplänen auftauchen. Wir unterhalten uns mit Fachhochschulen, auch mit
Universitäten, die Lehrer ausbilden, die Sozialarbeiter ausbilden, dass die
Kinderrechte ein Gegenstand der Ausbildung werden. Damit diejenigen, die mit
Kindern zu tun haben, auch wissen, um was es dabei geht. Und letztendlich schlägt
sich das auch nieder auf die Frage der Familien, der Elternbildung, der
Elternberatung. Da sitzen die Sozialarbeiter, da sitzen die Psychologen und die
sollen auch über diese Dinge Bescheid wissen.
Konstantin: Da setzen wir jetzt auch einen Punkt. Jetzt kommt
noch eine wichtige Sache von Anne und gebe das Wort weiter.
Anne: Ja ich wollte Ihnen noch den Vertrag überreichen,
damit sie das noch einmal genau nachgucken können und alles gut durchlesen
können.
Rolf Stöckel: Herzlichen Dank. Ich werde die anderen
Kolleginnen und Kollegen der Kinderkommission bitten, dass wir uns in der nächsten
Sitzung mit euren Forderungen, mit eurem Vertrag, mit unserem Vertrag beschäftigen
werden und wir werden ganz konkrete Punkte überlegen. Was wir denn jetzt
bis zum nächsten Kindergipfel schaffen können. Was ganz wichtig ist,
meine Kollegin hat das in der ersten Runde gesagt, wir brauchen als
Interessensvertreter der Kinder im Bundestag in der Bundespolitik auch mehr
Rechte. Wir wollen eigentlich bei allen Gesetzesvorhaben so etwas wie eine
Kinderverträglichkeitsprüfung machen. Und das können wir im
Moment noch gar nicht, weil wir viel zu wenig Zuarbeit haben und wir müssen
ja als Abgeordnete alle anderen Aufgaben auch erledigen. Aber wir versprechen
euch, wir werden zu jedem einzelnen Punkt überlegen, was haben wir schon
erreicht und was müssen wir da eigentlich noch nacharbeiten. Und dann
werden wir uns beim nächsten Kindergipfel darüber unterhalten.
Herzlichen Dank.
Anne: Ich denke, dass auch die Kinder hier die
Selbstverpflichtungen sehr ernst nehmen werden und auch daran arbeiten werden.
Und dann möchte ich noch etwas sagen. Ich denke, dass ich mich hier im
Namen aller Kinder, alle die hier sind, bei Ihnen bedanken darf, dass sie heute
hier waren und mit uns darüber gesprochen haben. Wir haben uns darüber
sehr gefreut. Und es hat uns auch sehr geholfen und ich denke, dass wir damit
auch ein sehr großes Stück weiter gekommen sind. (Beifall)
Sven Borsche: Ich wollte noch eine Sache sagen. Ich habe in der
Pause mitbekommen, dass habt ihr oder Sie auch gesehen, dass die Moderation
gewechselt hat von der ersten zur zweiten Runde. Ich fand das sehr spannend,
dass die Kinder, die Jugendlichen selber übernommen und wollte mich bei den
Jugendlichen sehr herzlich bedanken, weil ich denke, dass sie diese Moderation
in der letzten Stunde hervorragend gemacht haben. (Starker Beifall)
Konstantin: Dankeschön. Und nächstes Mal machen wir's
vielleicht noch'n bisschen besser.
Petra Scherer: Wir möchten uns auch bei allen Kindern
nochmals herzlich bedanken, die hier beim Kindergipfel mitgemacht haben. Es war
ja im Vorfeld dieser Veranstaltung sehr viel Arbeit nötig in den einzelnen
regionalen Arbeitsgruppen. Also, nochmal ein herzliches Dankeschön. Ihr
habt uns nämlich sehr viele Ideen und Anregungen mitgegeben und wir
versprechen euch, wir werden das alles mitnehmen und versuchen auch umzusetzen.
Also nochmals ein herzliches Dankeschön.
Konstantin: Ich denke, jetzt ist diese ganze Diskussionsrunde für
heute beendet und wir sehen uns dann hoffentlich beim nächsten Kindergipfel
wieder.
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