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Der Kindergipfel 2000:
Die Diskussion mit den Abgeordneten des Deutschen Bundestages

Dies ist die Dokumentation der Diskussion mit deAbgeordneten des Deutschen Bundestages während des Kindergipfels 2000 am 2.Oktober 2000 in Hannover. Ihr könnt den Text als Word Datei (Word 2.0, 104 KB) oder Rich Text (112 KB) laden.



Themenbereich: Kinderrechte

Konstantin:
Nun kommen wir zum nächsten Punkt, das sind die Kinderrechte.

Peter:
Ich bin der Peter, ich komme aus Schramberg.

Nina:
Ich bin die Nina und komme aus Frankfurt.

Peter:
Wir waren im Workshop Kinderrechte und wir haben darüber diskutiert und sind auch zu Ergebnissen gekommen.

Nina:
Wir haben festgestellt, dass viele gar nicht wussten, was sie überhaupt für Rechte haben. In der Schule und so, und vielleicht Plakate in der Schule aufgehängt werden, dass mehr wissen, was sie überhaupt für Rechte haben.

Peter:
In Deutschland ist es ja eigentlich nicht so schlimm, da wird das ja auch beachtet, aber in anderen Ländern, z.B. in Indien, wo es mit Kinderarbeit arg schlimm ist, da ist es dann halt schon ziemlich brutal. Und deswegen sollen alle Kinder in allen Ländern ihre Meinungsfreiheit und ihre Rechte haben.

Sven Brosche:
Die UN-Kinderrechtskonvention hat ja den einen großen Vorteil, dass sie einmal zusammen gestellt hat, welche Rechte es für Kinder gibt. Und ich glaube, wir sind da auf einem ganz guten Weg, selbst wenn wir da immer noch anmahnen müssen, dass diese Kinderrechte auch allen Kindern bekannt gemacht werden müssen. Das ist sogar eine Aufforderung in dieser Konvention selber. Und ich glaube, da müssen sich alle Beteiligten, ob Schulen, Politiker, Eltern und auch die Kinder und Jugendlichen selber weiter für deren Verbreitung einsetzen. Ich glaube nicht, das war der zweite Punkt, dass in Deutschland die Kinderrechte und deren Verwirklichung nicht so viele Probleme macht. Natürlich kann man das nicht vergleichen mit bestimmten Rechten auch auf Ernährung und Gesundheit mit der Dritten Welt. Da geht es dann den Kinderrechten in Deutschland ganz gut. Aber was das große Problem ist, dass diese Kinderrechte, soweit sie uns in Deutschland betreffen, sehr stark davon abhängig sind, dass sie von den Erwachsenen respektiert werden. Es lassen sich manche Kinderrechte, etwa z.B. das Recht auf Respekt oder auf Achtung, ganz schwer vor Gericht einklagen. Wenn die Achtung nicht passiert, kann man da nicht zu irgend jemand hingehen und sagen, jetzt sei mal freundlich zu mir.
Der eine Junge hat vorhin ganz gut gesagt, ich brauche eigentlich Eltern, die sich nicht streiten oder ich brauche zumindest Eltern, die den Streit nicht auf meine Kosten machen. Und das ist auch ein Recht, das Recht der Kinder auf einen angemessenen Umgang seitens der Erwachsenen. Aber zu welchem Gericht gehe ich damit, wen klage ich an? Und deswegen müssen wir diese Frage der Rechte, auch des Respekts vor Kindern immer wieder gemeinsam bereden, und auch dann in konkreten Situationen sagen, hier fehlt der Respekt. Hier sind die Erwachsenen dran und hier haben die Kinder auch ein Recht, dass dieser Respekt ihnen auch erbracht wird.

Teilnehmerin:
Also, ich wollt Ihnen eigentlich vollkommen Recht geben, aber was ich noch mal als Beispiel sagen wollte: Z.B. in jeder Schule hängt eine Hausordnung, ein Plan z.B. , wie man rauskommt, wenn Feuer ist, aber nirgends sieht man die Kinderrechte und ich denk' mal, wenn man zum Direktor geht, wird man eigentlich auch nur ausgelacht.

Sven Borsche:
Ich denke, dass das zum großen Teil stimmt. Und was mich da eben auch sehr beschäftigt, ist das, was wir etwa in der Schule und auch selbst im Kindergarten schon an Regelungen haben, Kinder in ihrem So-Sein, wie sie sind, zu beachten, und ihnen auch Möglichkeiten zu geben, aus dieser Situation mitzuwirken, darüber reden wir sehr viel weniger, als über bestimmte Missstände oder über Gewalt, die zwar auch wichtig sind, aber wir können sie eigentlich nur da, wo die Kinder sind, selber lösen und da müssen wir auch noch einiges besser machen. Denn da fehlen auch keine Rechte. Die Rechte sind da. Auch die Mitwirkungsrechte in der Schule sind da. Nur es wird ganz wenig davon Gebrauch gemacht. Und wie wir das gleich vielleicht auch einmal aushängen in der Schule zum Beispiel und nicht nur aushängen, dass was Kinder und Jugendliche nicht dürfen, sondern dass wir das aushängen, was sie dürfen oder was sie können, da können wir eine ganze Menge machen und da sind wir alle aufgefordert.

Teilnehmer:
Ich wollte noch sagen, hier das Bild, das haben wir auch in Schramberg gemalt. Da ist die Friedenstaube, ein Herz, wo ein Junge und ein Mädchen drin ist, und da durften dann die Kinder einfach malen, was ihnen sehr gut gefällt. Ich meine, das gilt für alle Kinder, dass man einfach malen kann, was man will, es gibt verschiedene Meinungsfreiheiten und man kann das denken, was man will.

Teilnehmerin:
Also, die Kinder, die da Kinderarbeit machen, die können halt auch nicht in die Schule und ich finde, die haben genau so ein Recht auf Schule, wie wir das haben.

Teilnehmer:
Wir können in die Schule gehen und uns über den Beruf entscheiden, und die haben keine Wahl, sich auszudenken, was sie machen wollen, sondern sie müssen arbeiten, weil ihre Eltern zu wenig Geld haben und dass sie die Familie mit ernähren.

Detlev von Larcher:
Erst mal möchte ich einen Vorschlag machen zu dem Aushang der Kinderrechte in der Schule. Versucht es doch einmal über eure Schülervertretung. Das soll eure Schülervertretung beschließen. Probiert's einfach mal aus. Zum zweiten will ich jetzt sagen, was ihr gerade angesprochen habt. Da seid ihr ja bei dem Thema, was vorhin auch schon hier zur Sprache gekommen ist. Das ist völlig richtig. Wenn die Eltern nicht genug verdienen können, um den Kindern zu beißen zu geben, dann entsteht das Problem der Kinderarbeit. Und deswegen hängt hier beides zusammen, die wirtschaftliche Zusammenarbeit und die Entwicklungshilfe und das Recht der Kinder. Das Verbot der Kinderarbeit ist nur durchsetzbar, wenn die reiche Welt auch dafür sorgt, dass die arme Welt selber wieder auf die Füße kommt und darüber habt ihr schon gesprochen.

Teilnehmerin:
Sie haben ja schon gute Vorschläge gemacht. Aber was, glauben Sie, können Sie konkret, die Politik, was können Sie machen? Das ist jetzt noch nicht so rausgekommen, für mich zumindest nicht. Ich habe noch nicht gehört, was Sie machen wollen oder können.

Detlev von Larcher:
Doch, der Kanzler hat doch erzählt, dass er z.B. den 20 ärmsten Ländern die Schulden erlässt. Das ist ein Punkt. Damit darf es nicht zu Ende sein, sondern wir müssen von der Entschuldung der Dritten Welt kommen. Da gibt es Initiativen, Entschuldungsinitiativen, die eben mehr wollen, als das, was bisher in den üblichen Verfahren zwischen Schuldnern und Gläubigern, also zwischen denen, die das Geld bekommen haben und denen, die es gegeben haben, dass solche Verfahren so verändert werden, dass diejenigen, die verschuldet sind, mehr Rechte bekommen. D.h., ich persönlich kann mir vorstellen, dass es so etwas wie ein Insolvenzrecht, also ein Recht wie abgewickelt wird, wenn jemand überschuldet ist, so dass er eben nicht wirtschaftlich kaputt geht, dass so etwas auf internationaler Ebene gemacht wird. Ich weiß aber die politischen Widerstände sind insbesondere bei den reichen Ländern sehr stark. Es wird also noch lange dauern. Aber das wäre sehr wichtig. Und wirtschaftliche Zusammenarbeit bedeutet dann eben, dass auch in Entwicklungsländern mehr Arbeitsplätze vorhanden sind und dass dann eben die allgemeine Armut abnimmt.

Konstantin:
Es kann ja nicht sein, dass damit Schluss ist, dass die Schulden erlassen werden. Man kann doch Druck machen auf die Länder, dass sie dafür sorgen, dass es mehr Möglichkeiten gibt, dass z.B. die Schule kein Geld kostet. Die Leute in den armen Ländern - wir hatten im Projekt Armut eine Musikgruppe aus Afrika, ein Straßentheater, eine Straßenmusikgruppe - die Schule kostet das Achtfache von dem, was die Eltern verdienen. Und das kann doch nicht sein. Man muss dafür sorgen, dass in diesen Ländern die Kosten für die Schule wegfallen und das kann man doch mit Druck machen. Die Ländern sind doch von den reichen Ländern abhängig.

Detlev von Larcher:
Jetzt müssen meine Kollegen auch mal wieder zu Wort kommen. Ich gebe dir völlig recht. Das genügt nicht, wenn man kurz sein will, sagt man auch nicht alles. Der Kanzler hat gesagt, die Entschuldung wird auch an Bedingungen geknüpft für demokratische Entwicklung in den Ländern, denen man die Schulden erlässt, für dem Aufbau einer Zivilgesellschaft, dazu gehören die Menschenrechte und das Recht auf Schule. Aber auch da können wir alle selber was machen. Also in meinem Ort, in Weyhe, gibt es schon seit Jahren Run for Help, ich weiß, das gibt es auch in anderen Orten, das heißt, da suchen sich die Schüler Sponsoren, die für jeden Kilometer so und soviel Mark spenden. Und da haben sie schon vier Schulen in Mosambik gebaut und jetzt am nächsten Samstag wird wieder so etwas sein, da werde ich auch wieder mitlaufen. Also beides gehört zusammen, materielle Hilfe und die Ermahnung, die du ausgesprochen hast.

Anne:
Wer möchte, kann kurz antworten, denn die Zeit drängt leider. Wenn es noch sehr dringende Sachen sind. Es wäre schön, wenn noch gehen würde, dass danach noch einmal was beredet wird, und würde sagen, dass wir mit dem nächsten Thema weiter machen, damit alle Themen halt auch mal hier besprochen werden.

Teilnehmerin:
Von unserer Klasse haben wir auch ein Projekt gestartet, wo wir Kindern im Iran Briefe geschrieben haben, und haben da jetzt Brieffreundschaften entwickelt. Und ich glaub, da muss man auch mal ein bisschen mehr Projekte starten.

Teilnehmerin:
Wir haben da auch das Thema Kinderarbeit gehabt. Wir haben uns aufklären lassen, was die denn arbeiten müssen. Dann hatten wir auch das Projekt über Teppicharbeit, und dass die dann auch krank werden und dann hat uns ein Teppichhändler in unserer Stadt erklärt, wo er seine Teppiche her hat, das es auch aus keiner Fabrik ist, wo jetzt Kinder arbeiten. Und mit denen haben wir dann eben Brieffreundschaften geschlossen.

Nächstes Thema: "Ernährung" --->




Der Kindergipfel ist ein Projekt der Naturfreundejugend Deutschlands

und der Zeitschrift

mit Unterstützung durch

der Akademie Remscheid für musische Bildung und Medienerziehung
Gefördert durch die Stiftung Jugendmarke

Letzte Änderung am 25.09.2001 durch Günter Klarner