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Barbara Renno: Wir haben uns ja noch wahnsinnig viele Themen
vorgenommen und bei mir steht noch das Stichwort "Stadt". Das ist ja
auch 'ne ganz wichtige Geschichte. Wie sieht es in euerm Wohnumfeld aus, welche
Spielmöglichkeiten habt ihr, was ist die Straße, wie ist die in eure
Lebensbereiche integriert. Jan-Karim, hast du zum Thema Wald noch eine
Forderung?
Jan-Karim Bohnacker: Ja. Früher stand 'n Haus zwischen den
Bäumen und heute steht'n Baum zwischen den Häusern. Und ich mein,
Kinder, die Bäume, und man kann auf denen klettern, man kann auf denen 'ne
Schaukel aufhängen, man kann auch'n Baumhaus drauf bauen, man hat viel
Spiel und Spaß dran, und wenn das Laub z.B. fällt, da kommen dann
auch Tiere und die können sich da drin einnisten und da kommen Igel und
sonst was und die Würmer, die machen dann die Erde locker. Und der Wald hat
Leben. Der Wald lebt, der Baum lebt, im Baum ist Leben. (Applaus)
Barbara Renno: Also der Karim, der ist informiert. Dem kann
keiner so schnell was vormachen. Der weiß worauf's ankommt und nimmt die
Erwachsenen beim Wort.
Teilnehmerin: Ich wollte noch sagen: In Frankfurt z.B., das ist
genauso wie im Regenwald, halt nur 'n bisschen kleiner, passiert auch hier in
Deutschland. Da wird jetzt der Flughafen ausgebaut und der soll in den Bannwald
hineingebaut werden, das find ich auch schlimm. (Applaus)
Barbara Renno: Ich weiß jetzt nicht, ob jemand, der aus
diesem Raum kommt, unter uns ist?
Philipp: Ich bin der Philipp Paulus und ich hab im Workshop
Stadt mitgearbeitet und, da haben wir uns eigentlich ziemlich auf die Themen
drauf spezialisiert, dass wir beschlossen haben, dass es viel zu wenig freie Grünflächen
in großen Städten gibt und das man halt einfach mehr solche Grünflächen
wieder aufarbeiten sollte und eben gucken sollte, dass es mehr grün wird in
den Städten. Und auch dass eben vielleicht mitten in der Stadt 'ne Wiese
gemacht wird, dass man vielleicht Fußball spielen kann oder so Sachen
machen kann. Wir haben in Schramberg ein Plakat gemacht und darauf sind viele
Sachen, die wirklich wichtig sind für die Stadt.
Barbara Renno: Und für die Menschen, die da leben. Denn
wenn man da so drauf guckt, da ist da für ganz schön viele Platz,
sogar für Erwachsene, wenn ich das richtig deute. Das finde ich gut. Ich
finde es auch gut, wenn es Flächen gibt, die möglichst vielen offen
stehen, aber wo jeder so sein eigenes Eckchen findet. Ich würde ja
gerne - wir haben das ja gehört bei der Vorstellung, Politiker sind ja
immer auf verschiedenen Ebenen tätig - also die engagieren sich durchaus
auch im kommunalen Bereich, die sitzen im Bundestag, die sitzen dort in
verschiedenen Gremien, reden auch immer viel miteinander, ehe sie Dinge beschließen.
Ich habe vorhin die Kinderkommission angesprochen. Ist das eigentlich ein
schlagkräftiges Instrument, ist die schlagfertig genug, um auch da Dinge
anzupacken. Können Sie, die Sie Mitglieder sind dieser Kinderkommission, können
Sie was mitnehmen, können Sie da gewissen Druck ausüben?. Da hätte
ich gerne mal 'was gehört.
Ingrid Fischbach: Ich hab' gerade meinen Kollegen Rolf Stöckel
auch hier irgendwo im Raum gesehen, der ist auch Mitglied der Kinderkommission.
Die Vorsitzende unseres "Mutterausschusses", Frau Hanewinckel ist ja
dabei. Und die Kinderkommission ist nicht so ein schlagkräftiges
Instrument, wie es sein könnte. Uns fehlt es an der einen oder anderen
Stelle an einer Kompetenzerweiterung. Und dafür kämpfen wir. Ich habe
dem Bundeskanzler vorhin auch zugehört als er sagte: Stärkt die
Kinder- und Jugendparlamente, tut etwas vor Ort, und ich sage ganz einfach: Stärken
wir auch die Kinderkommission des Deutschen Bundestages. D.h. wir sind dazu da,
uns für die Belange der Kinder einzusetzen aber wir hatten bis vor kurzem
weder das Rederecht in anderen Ausschüssen - das haben wir jetzt mit Hilfe
des Ausschusses Familie, Senioren, Frauen und Jugend zugedacht bekommen. Aber
uns fehlt natürlich aber auch ein eigenes Antragsrecht und dafür kämpfen
wir noch. D.h., wenn wir diese Dinge, die ihr jetzt teilweise formuliert, auf
Bundesebene gelöst werden können, dann können wir versuchen,
diese auch als Anträge ins Parlament zu bringen, dass darüber
diskutiert wird, dass wir Lösungen suchen, für euch, mit euch. Dazu
brauchen wir ein Antragsrecht und dafür kämpfen wir auch weiterhin.
Barbara Renno: Da sind ja die richtigen Verbündeten tatsächlich
heute hier zusammen. Je mehr man voneinander weiß, desto mehr kann man
sich gegenseitig füreinander einsetzen. Ich glaube, ihr habt jetzt noch ein
Thema, was euch unter den Nägeln brennt.
Hans-Josef Fell: Ja, mehr Grün in die Städte, das ist
ein ganz wichtiges Thema. Nicht nur, damit die Kinder Spielplätze haben,
sondern dass die Luft in den Städten besser wird. Damit wir einfach auch
mehr Schönes haben. Wie hässlich ist doch eine asphaltierte Straße
oder ein betonierter Hinterhof. Und daher ist es auch erforderlich nachzufragen,
warum ist denn so wenig Grün in den Städten? Und da sind wir schon
wieder bei dem, was ihr vorhin auch zu recht ein Stück weit kritisiert
habt. Nämlich bei den unheimlich vielen Autos. Sie brauchen Platz. Sie
haben zwar für die Menschen die Notwendigkeit, dass sie von einem Ort zum
anderen kommen, das erfüllen sie. Aber mit welchem Schaden übernehmen
wir das Ganze. Deswegen heißt es ganz klar. Wir müssen wieder verstärkt
in den öffentlichen Verkehr hinüber gehen. Wir müssen schauen,
dass wir die Radfahrer stärken. Wir müssen aber auch schauen, wenn
schon Autoverkehr geleistet wird, dass wir kleine, ganz leichte Autos haben, die
nur ein oder zwei Personen fahren. Auch das reduziert den Flächenbedarf in
den Städten. Und wenn weniger Autos einfach vorhanden sind, dann merken es
auch die Stadtväter und die Stadtmütter und sie werden andere
Programme auflegen und sie werden wirklich merken, dass hier weniger Geld
ausgegeben werden muss für den Verkehr und dann ist Geld übrig auch für
die Grünanlagen, um sie verstärkt wieder in den Orten darzustellen. Es
passt alles zusammen: die Autoverkehrsreduzierung mit mehr Grünflächen.
Barbara Renno: Das sind natürlich viele Bedingungen, die
erfüllt werden müssen, um so einen relativ bescheidenen Wunsch zu erfüllen.
Wir hatten jetzt noch Wortmeldungen von Erwachsenen und vielleicht an alle die
Bitte, sich kurz zu fassen.
Ursula Heinen: Zum Thema mehr Flächen in den Innenstädten
oder Großflächen. Da nur ein Tipp: Da sind ja eigentlich die Stadträte
zuständig und nicht wir. Aber es gibt 'ne ganze Menge Flächen von der
Bundeswehr, vom Militär, von ausländischen Militärkräften,
die hier in Deutschland gewesen sind bis Anfang der 90iger Jahre. Und da müssten
wir jetzt versuchen, diese Flächen auch zu bekommen, um daraus
beispielsweise Spielplätze, Grünflächen u.ä. zu machen. Und
es wäre vielleicht eine ganz schöne Sache, wenn wir jetzt sagen, wir kümmern
uns in unseren Wahlkreisen darum, dass genau das passiert. Und diejenigen von
uns, die so einen städtischen Wahlkreis haben, die können das auch
ganz gut umsetzen und das wäre so das erste, was wir euch hier anbieten können
- alle zusammen. Und zwar parteiübergreifend.
Monika Griefahn: Ja, es gibt ja in vielen Städten und
Gemeinden inzwischen auch Elterninitiativen, die sich gemeinsam mit den Schulträgern
darum kümmern, dass die Schulhöfe auf sind, dass sie wieder
umgestaltet werden, grüner werden. Auch da gibt's ja viele Beispiele, die
man dann übernehmen kann. Wenn man die sieht, dann kann man das auch in
anderen Städten initiieren. Und das ist glaube ich auch was, wie man
voneinander lernen kann. Die sind da, die Flächen und die müssen nicht
Asphalt sein, die müssen nicht hässlich sein, Beispiele gibt es genug.
Im Land Niedersachsen gibt's dazu auch ein Programm, wo man eben auch Geld dafür
anfordern kann. Doch ein bisschen Mithilfe braucht man da von Eltern und der
Schule.
Barbara Renno: Es ist oft schon schwierig, einen Schulhof zu
entsiegeln. Das sind so die Dinge, die Kinder direkt überblicken. Da sind
ja schon Hürden zu überwinden, die man sich als Erwachsener manchmal
gar nicht vorstellen kann. Und ich glaube, das macht so ein bisschen deutlich,
welchen großen Problemen Kinder da gegenüber stehen, wenn sie sich
dafür einsetzen wollen. Man darf es nicht unterschätzen. Und ich
glaube, was ganz wichtig ist, was wir hoffentlich aus dieser Veranstaltung
mitnehmen, dass Erwachsene ganz wichtig sind, um Kindern den Rücken zu stärken,
um dafür zu sorgen, dass z.B. die Kinderrechte, das Wort ist jetzt den
ganzen Nachmittag noch nicht gefallen, dass die Kinderrechte eingehalten werden.
Denn die UN-Kinderrechtskonvention sieht ja genau diese Dinge vor: Kinder haben
ein Recht auf freie Entfaltung, auf Spielmöglichkeiten, auf eine gelungene
Freizeitgestaltung, auf Bildung, also auf ganz viel Dinge, die uns Erwachsenen
ja auch sehr wichtig und selbstverständlich sind. Jetzt haben wir eine
Wortmeldung. Nein, Frau Hanewinckel?
Christel Hanewinckel: Jetzt misch' ich mich hier ein: Wir haben
eben gesagt, Kinder haben Rechte. Und wenn ich das heute hier richtig verstehe,
ist das oberste Motto: die Erwachsenen hören zu und die Kinder reden. Ich
hab' den Eindruck, wir haben jetzt mindestens schon zwei Drittel der Zeit
genutzt (Applaus), und damit muss Schluss sein.
Barbara Renno: Wenn die Erwachsenen bereit sind, dafür zurück
zu treten. Ich bin ganz dafür. Dann machen wir jetzt an den Mikrofonen der
Sprecher der Gruppen weiter.
Kind: Ich möchte mal was sagen, wenn wir gerade bei Grünflächen
sind. Es gibt ja total viele Hunde in den Großstädten. Und die
brauchen ja auch Bewegungsfreilauf. Und wenn diese in der Stadt herumrennen,
dann passiert auch was mit den Menschen. Dann fallen sie jemand an, weil sie
aggressiv werden. Und mit den vielen Straßen, das ist einfach zu gefährlich.
Und da sollte man auch Wiesen und kleine Parks für Tiere und für Hunde
machen, wo sie sich dann austoben können. Dann braucht niemand Angst
haben, dass die einen anfallen. Die Aggressionen von den Tieren bauen sich auch
darauf auf, wie sie leben müssen, wenn sie immer bloß in einer Ecke
sitzen müssen und dann halt täglich mal ihren Futternapf kriegen und
mehr nicht.
Barbara Renno: Wollen wir vielleicht ein paar Stimmen sammeln?
Kind: Zweitens haben wir noch besprochen das Thema Radwege. Was
in den Städten teilweise echt fehlt, sind die Radwege. Uns fällt mehr
und mehr auf, dass sie zum Teil wieder abgebaut werden, weil sie kaum genutzt
werden oder zu teuer sind zu unterhalten oder sonst wie. Ich find' einfach, dass
die Verbindung, die Ausschilderung der Radwege 'n bisschen besser werden sollte.
Und wir haben das als Forderung aufgestellt und haben uns auch dazu
verpflichtet, sobald sichere Fahrradwege existieren, selbst mit unseren Fahrrädern
so oft wie möglich zu fahren. Und ich fänd, das wär schon 'n ganz
wichtiger Schritt.
Barbara Renno: Ja, da wollt ihr sicher auch 'ne Meinung der
Erwachsenen dazu hören. Na, sie sollen das schon als Forderung verstehen
und sich auch in die Pflicht genommen fühlen. Zuhören heißt ja
nicht, keine Antworten haben.
Hans-Josef Fell: In die Pflicht zu nehmen ist natürlich
wirklich wichtig. Und ich kann das als Stadtrat, der ich bis vor wenigen Jahren
noch war, sagen, wie schwer es ist, Radwege neu bauen zu können. Da wird
verglichen, wie hoch die Kosten sind, und man braucht doch eine andere Straße
dazu, und ich hab' das im Detail erlebt. Aber ich will auch einen Vorschlag
machen, wie es in vielen Städten oft leichter geht, das sind nämlich
die Fahrradstreifen, die man auf einer Straße abzeichnen kann, ganz
einfach, und so ein Meter bis zwei Meter Platz neben dem Gehsteig. Diese
Fahrradstreifen, da gibt es auch Untersuchungen, schützen die Radfahrer zum
Teil wesentlich besser als beispielsweise Radwege, wenn sie auf den Gehsteig
aufgemalt werden. Dort ist es nämlich wieder eine Konkurrenz zu den Fußgängern
und die Fußgänger fühlen sich beengt, die Radler können
nicht richtig schnell fahren, wie sie es sich eigentlich wünschen. Insofern
ist es viel sinnvoller, statt große neue, teure Radwege an vielen Stellen
Radfahrstreifen zu bauen. Bringt diesen Vorschlag in die Gemeindeparlamente. Ich
glaube er lässt sich häufig viel schneller umsetzen als große
Radwege.
Barbara Renno: Ich glaub', wie das aussieht, ist den Kindern
egal: Die Hauptsache ist, sie können fahren auf der Straße und sicher
fahren.
Kind: Ja, ich möchte noch was dazu sagen: Also oft ist es
so, dass es von den Autofahrern nicht eingehalten wird, diese Radwege. Viele
fahren einfach auf diesem Radwegestreifen weiter und vor allem im Berufsverkehr
auch. Also es hilft auch oft nichts. (Applaus)
Kind: Außerdem haben wir noch das Thema behandelt, dass
die Jugendlichen eigentlich viel zu wenig Platz haben. Es gibt keine richtigen
Jugendhäuser, wo sie sich einfach treffen können, deshalb treffen sie
sich auf den Spielplätzen und zerstören die Spielgeräte, was auch
oft bemängelt wird. Und ich glaub', das wär auch gar nicht so
schlecht, wenn sich da jemand drum kümmern würde. Ich find' einfach,
dass es zu wenig behandelt wird und dass da vielleicht auch jemand 'n bisschen
Initiative ergreifen sollte.
Barbara Renno: Ich glaube, das ist ein wichtiger
Diskussionspunkt, was wir auch immer hören, wenn wir Kinder fragen, wenn
wir diese Veranstaltung, die der Saarländische Rundfunk mindestens vier-
bis sechsmal im Jahr macht und dann natürlich auch ins Radio bringt, immer
wieder hören: Für uns Kinder ist nicht genug Platz da, weder zum
Spielen noch um uns auszubreiten, noch um irgendwie vorzukommen in der
Gesellschaft. Und ich glaube, das ist etwas, was wir Erwachsene uns nicht oft
genug anhören können. Jetzt haben wir eine Wortmeldung. Du wartest
schon eine ganze Zeit lang.
Lena: Ich bin Lena Claus. Ich komme aus Berlin-Marzahn. Ich bin
beim Schulgarten dabei, schon seit zwei Jahren, in einer Arbeitsgemeinschaft.
Wir haben bei uns im Schulgarten einen Vorgipfel gemacht und wir haben dazu
sieben Politiker eingeladen, also aus Marzahn. Und die sind alle nicht gekommen.
Jetzt wollte ich fragen: Was können wir dagegen tun? Können Sie uns
einen Rat geben? Und weil bei uns auch viele Schulen geschlossen werden, und wir
haben Angst, dass unser Schulgarten auch geschlossen wird. Was können wir
dagegen tun? (Applaus)
Monika Griefahn: Das ist natürlich schwierig, die
anzusprechen, die hier sind. Wir sind ja gekommen, und die Schulen in meinem
Wahlkreis, wo ich eingeladen wurde, da bin ich auch immer hingekommen. Insofern
ist es etwas kompliziert, für diejenigen zu antworten, die nicht da sind.
Aber vielleicht geht ihr mal zu denen in die Sprechstunde. Jeder Politiker hat
immer in seinem Wahlkreis 'ne Sprechstunde. Da sind sie da oder sie sind
zumindest am Telefon und sprecht sie noch mal direkt an. Und wenn ihr mir die
Namen sagt, die nicht gekommen sind, werde ich sie auch gerne ansprechen.
Barbara Renno: Also, 'n sanfter Druck ist erlaubt.
Kind: Was ich noch fragen wollte zu den Fahrradwegen. Weil der
Herr von den Grünen vorhin gesagt hat, von den Fahrradwegen auf den Straßen.
Wenn man jetzt schon in der Stadt schon so enge Straßen hat, das es da gar
nicht mehr drauf passt. Also, wie wollen sie das denn machen, da müsste man
ja auch extra die Straßen verbreitern noch. Oder auch in anderen Straßen
auf dem Land oder so, die muss man ja auch breiter machen noch dazu.
Hans-Josef Fell: Es ist selbstverständlich, dass ein
Fahrradstreifen nicht das Allheilmittel ist. Es war nur ein Vorschlag, kostengünstig
etwas zu verbessern. Aber dort, wo es ganz eng ist, passt weder ein Radfahrweg
noch ein Fahrradstreifen rein, da hast du völlig recht. Man muss vor Ort
immer neue Möglichkeiten suchen. Ich hab zum Beispiel zu Hause auch
durchgesetzt, dass Fahrradfahrer auf Einbahnstraßen auch gegenläufig
fahren dürfen, gegenüber den Autos in anderer Richtung: Es ist ganz
wenig, eigentlich nichts passiert auf diesen gegenläufigen Gebieten und das
hat unheimlich viel entlastet, weil die Autos mussten immer bestimmte Wege
fahren und die Radfahrer konnten sich die ganz kurzen nehmen. Das war ein ganz
großer Vorteil, vor allem dort, wo es eng ist, und wo eben für solche
Wege wenig Platz ist.
Kind: Trotzdem, manchmal wenn ich da fahren würde und
nebenbei ist der Fahrradweg, also dann würde ich mich vielleicht, wenn die
Autos vorbei rasen, dann würde ich mich vielleicht auch auf der Straße
bedrängt fühlen. Also weil Sie gesagt haben, man würde sich auf
den erhöhten Gehwegen bedrängt fühlen.
Barbara Renno: Ich glaube, was du jetzt anspricht, korrigiere
mich, wenn ich dich falsch interpretiere, ist doch auch, dass wir keine Lösung
dafür gefunden haben, dass alle Verkehrsteilnehmer einen Platz haben und
einen solchen Platz haben, wo sie sich einigermaßen sicher fühlen können.
Das Fahrrad ist für euch das wichtigste Fortbewegungsmittel. Wenn es für
uns Erwachsene wichtiger wäre, hätten wir sicher schon längst dafür
gesorgt, dass es etwas sicherer auf den Straßen zugeht. Das ist es im
Moment nicht richtig. Und ich glaube, das ist doch ein ganz wichtiges Thema für
euch. Ich muss jetzt etwas machen, was unheimlich unhöflich ist. Wir haben
gesagt, ne Dreiviertelstunde machen wir diese erste Runde. Wir haben noch
'ne zweite mit 'ner einer Menge Themen, wir haben noch Gesprächspartner
hier, wir müssen jetzt entscheiden, geht ihr mit euren Themen in die zweite
Runde. Es gab Gesprächspartner, die noch nicht zu Wort gekommen sind oder
sich auch noch nicht zu Wort gemeldet haben. Ich glaube wir müssen uns
einfach an die Zeiten halten. Was wir hier von diesem Gipfel mitnehmen ist, dass
es offensichtlich nicht genug Zeiten gibt, in denen sich Politiker und junge
Leute treffen. Ich glaub, das kann man einfach feststellen. Es gibt nicht genug
Zeiten, wo dieser Dialog stattfindet. Und vielleicht ist das auch ein Ergebnis,
ich glaube, das muss ich einfach sagen, damit klar wird, dass wir eine solche
Veranstaltung unbedingt noch einmal machen sollten. Das hoffe ich, ist auch in
eurem Interesse. - Du möchtest noch was ganz dringendes sagen, Nina.
Nina: Ich find es sehr nett, dass hier saßen zwei
Politiker, ein Politiker und eine Politikerin, die sind schon nach ein paar
Minuten einfach verschwunden. Ich finde das wirklich sehr nett und wir bedanken
uns wirklich.
Konstantin: Ich habe auf die Uhr geguckt. Eine Viertelstunde
haben sich die Politiker hier vorgestellt und mit ihren Parteien Parteiwerbung
gemacht. Aber eine Viertelstunde von unserer Redezeit geklaut und dann hauen die
einfach ab, also so kann es doch nicht sein, oder?
Barbara Renno Dazu muss ich jetzt als Moderatorin was sagen. Das
habe ich - darum habe ich gebeten um diese Vorstellung - weil ich glaube, dass
es wichtig ist, dass man weiß, mit wem man es zu tun hat und ich glaube,
dass das euch auch nur nutzen kann, wenn ihr wisst, wenn die Frau Griefahn euch
anbietet, sagt mir, wer das war, der sich nicht bei euch gemeldet hat. Dann
macht das sicher einen großen Eindruck auf die Gesprächspartner, die
sich eben nicht gemeldet haben, wenn die Frau Griefahn ihnen einen Brief
schreibt. Aber ihr müsst auch wissen, wer die Frau Griefahn ist und warum
ihr euch an sie wenden müsst. Das habe ich jetzt als Beispiel
herausgegriffen, das gilt natürlich für alle anderen erwachsenen Gesprächspartner
auch.
Marita Sehn: Ich wollte den Kindern noch was sagen. Also zum
Fahrrad fahren. Es sind nicht nur Kinder, die Fahrrad fahren, sondern es sind
auch viele Erwachsene. Ich denke, es ist wirklich ein wichtiges Thema. Aber man
muss aufpassen in den Städten oder auch in den Dörfern. Es gibt ja
nicht nur Städte in Deutschland, wir haben ja auch sehr viele ländliche
Regionen, und da sieht's vielleicht doch 'n bissl anders aus und die
Hauptverkehrsstraßen, da würde ich sowie als Kind überlegen, ob
ich da wirklich Fahrrad fahren muss und will. Ich glaube, wir müssen in der
Kommunalpolitik dafür sorgen, dass ihr Freiräume habt. Da wo ich
herkomme, ist es einigermaßen in Ordnung, obwohl es auch noch Dinge gibt,
die man verbessern kann, das ist überhaupt keine Frage. Also da muss man
gucken, wo man herkommt. Ich glaube, nicht alles in unserem Land ist schlecht.
Ich glaube, es gibt auch einiges Gutes.
Barbara Renno: Also, das glaube ich, sollte aus dieser
Diskussion hervorgehen, ich glaube, wenn alle das schlecht finden würden, würden
wir nicht gemeinsam hier überlegen, wie wir das gemeinsam anpacken können.
Marita Sehn: Was ich vielleicht noch zu der Zeit sagen wollte.
Es ist schade, dass wir nur eine Dreiviertelstunde haben. Mein Motto ist
sowieso, dass wir, sowohl die Politiker als auch die Eltern, dass wir mehr Zeit
haben sollen und ich lade euch alle ganz herzlich ein, wenn ihr wollt, dass z.B.
Gesprächspartner gesucht werden. Ich glaube, jeder von uns hier, egal wo er
herkommt, ist bereit, mit euch zu reden, vielleicht an einer anderen Stelle und
vielleicht auch viel intensiver.
Barbara Renno: Oder über das Internet, per E-Mail.
Ingrid Fischbach: Ein kurzer Hinweis für euch, wie ihr das
konkret umsetzen könnt, dass die Politiker Zeit haben. Die reden mit Hinz
und Kunz im Wahlkreis, weil sie alle meinen, die sind unheimlich wichtig für
den nächsten Listenplatz oder für die nächste Wahl. Ihr seid viel
wichtiger. Fordert doch von euren Politikern vor Ort eine Kindersprechstunde ein
oder eine Jugendsprechstunde.
Barbara Renno: Wie wär's denn, wenn die Kinderkommission
das mitnehmen würde. (Ingrid Fischbach: Ich nehm' das gerne mit) und
einfach an die Kollegen, mit denen sie ja zusammen ganz oft im Reichstag sitzen.
Ingrid Fischbach: Gerne. Ich kann euch versprechen, wir werden
das den Kollegen mitteilen und mal gucken, welche Resonanz wir haben.
Barbara Renno: Die Zeit ist einfach jetzt vorbei. Ich würde
sagen nach einer kurzen Runde machen wir weiter und da jetzt unser Gespräch
ja auch schon sehr offen geführt wurde und wir die Saalmikrofone haben,
ermuntere ich alle Politiker, die jetzt vielleicht noch Zeit und Lust haben,
dabei zu bleiben, sich durchaus auch noch mal einzuschalten. Ich danke für
diese erste Runde, in 'ner Viertelstunde ungefähr geht's weiter. Danke.
Nächstes Thema: "Frieden"
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